Vorstoß ins Abseits

Die Forderung ist ja nicht neu: Der deutsche Fußball soll für Polizei-Einsätze rund um Stadien zahlen. Diesmal prescht Bremen vor mit der Idee, die wie immer populistisch vorgetragen wird und wie immer zweierlei nicht ist: gut und zielführend.Nach der Sommerpause soll der rot-grüne Bremer Senat entscheiden, ob die Rechnung für Beamten-Einsätze beim ortsansässigen Bundesligisten Werder künftig an die Deutsche Fußball-Liga geht.

Als oberstes Ziel nennt Innensenator Ulrich Mäurer (SPD ), Gewalt bei Fußball-Großereignissen zu verhindern. Kassieren will man deshalb nur bei "Sicherheitsspielen". Aber: Welche Partien in diese Rubrik fallen, legt die Polizei fest. In Bremen könnte sie demnach ihre eigenen Aufträge samt Rechnung schreiben. Sauber. Es stellt sich die Frage, ob Bremen auch die Deutsche Bahn zur Kasse bitten wird. Schließlich reisen Fans gern mit dem Zug an. Die Bahn verdient daran, also kann sie doch für Sicherheit bezahlen.

Bremen verweist auch darauf, dass der deutsche Fußball eh Unsummen an Geld verdiene. Das stimmt. Der DFB hat im Jahr 2010 eine Studie bei McKinsey in Auftrag gegeben: Demnach sorgt der Profi-Fußball für 70 000 Vollzeitarbeitsplätze und generiert Steuern in Höhe von 1,5 Milliarden Euro. Dass dieses Geld nicht komplett den Ländern und damit deren Polizei zur Verfügung steht, ist ein Problem der Steuerverteilung zwischen Bund und Ländern - aber keines des Fußballs.

Die Kosten von Einsätzen werden kaum beziffert. Vieles bleibt ab strakt - angeblich, um Rückschlusse auf Polizei-Taktiken zu verhindern. Diese mal zu hinterfragen, könnte hingegen eine sinnvolle Aufgabe für die Innenminister sein. Vermitteln 500 Polizisten in voller Kampfmontur bei einem Drittliga-Spiel vor 3000 Zuschauern wirklich ein Gefühl der Sicherheit? Oder sind sie gar eine Provokation für die, die gewaltbereit sind? Sollten Polizisten nicht besser im Hintergrund agieren und nur wirklich sichtbar werden, wenn es nötig ist? In Portugal funktioniert das gut. In Frankreich wiederum arbeitet die Polizei grundsätzlich nicht in Stadien, sie ist ausschließlich für den öffentlichen Raum zuständig. Die Beamten gehen nur rein, wenn der Veranstalter ruft. Der muss dann auch zahlen. Das erscheint wesentlich schlüssiger als das, was Bremen vorhat.

Getrieben von seiner Haushalts-Notlage manövriert sich der Stadtstaat so ins Abseits. Falls er wirklich Rechnungen stellt, werden die ganz sicher nicht bezahlt. Und am Ende des folgenden Rechtsstreits wird feststehen: Die Forderungen sind verfassungswidrig. Denn die Polizei hat nun mal die hoheitliche Aufgabe, für Sicherheit und Ordnung zu sorgen, bei Großveranstaltungen jeglicher Art. Immerhin: Das Bremer Eigentor könnte den populistischen Kampf um die Stammtisch-Hoheit endgültig entscheiden.