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Von A wie Aigner bis Z wie Zypries

Von A wie Aigner bis Z wie Zypries

Stühlerücken im Bundeskabinett : Sigmar Gabriel kommt für Frank-Walter Steinmeier und Brigitte Zypries für Sigmar Gabriel . Doch solche Wechsel sind nichts Besonderes, wie ein Rückblick auf zwölf Jahre Kanzlerschaft von Angela Merkel zeigt.

Seit November 2005 ist Merkel nun schon deutsche Regierungschefin. Drei Bundeskabinette wurden in dieser Zeit unter ihrer Führung aus der Taufe gehoben. Erst eine große Koalition, danach ein schwarz-gelbes Bündnis und seit Dezember 2013 wieder eine Koalition aus Union und SPD . Anderes als in früheren Wahlperioden gab es einschließlich des Kanzleramtsministers immer jeweils 15 Ressortchef-Posten zu verteilen. Das aktuelle Bundeskabinett ist dabei in vergleichsweise ruhigem Fahrwasser geblieben. Nur am Anfang war es etwas hektisch. Die Bunderegierung war gerade erst zwei Monate alt, als Landwirtschaftsminister Hans-Peter Friedrich seinen Job im Zuge der Kinderporno-Affäre um den SPD-Abgeordneten Sebastian Edathy aufgeben musste. Für Friedrich kam Christian Schmidt (beide CSU ). Danach herrschte drei Jahre Ruhe an der Personalfront - bis zum gestrigen Freitag.

Mit nunmehr insgesamt drei Ministerwechseln liegt die aktuelle Regierung exakt auf dem Level der ersten großen Koalition unter Merkel. Auch zwischen 2005 und 2009 wurden drei Ressorts neu besetzt. Olaf Scholz übernahm das Bundesarbeitsministerium von Franz Müntefering (beide SPD ). Ilse Aigner beerbte Horst Seehofer an der Spitze des Agrar-Ressorts. Und Wirtschaftsminister Michael Glos machte Platz für Karl-Theodor zu Guttenberg (alle CSU ).

Richtig turbulent war es in der Zeit, als die Union mit der FDP regierte. Von den 15 Ministerien mussten gleich neun mit einem Führungswechsel zurechtkommen. Los ging es mit Arbeitsminister Franz Josef Jung , für den Ursula von der Leyen (beide CDU ) nachrückte. Die letzte Personalveränderung im zweiten Merkel-Kabinett betraf das Agrar-Ressort. Dort folgte Hans-Peter Friedrich auf Ilse Aigner .

Die Motive für die Wechsel sind dabei höchst unterschiedlich. Häufig geht es um politische und persönliche Affären. Siehe Friedrich oder Jung, den die Verantwortung für einen umstrittenen Luftangriff aus seiner Zeit als Verteidigungsminister einholte. Strahlemann zu Guttenberg und Merkels enge Vertraute Anette Schavan traten wegen erwiesenen Schummelns bei ihren Doktorarbeiten als Verteidigungs- beziehungsweise Forschungsminister zurück. Manchmal spielen auch parteipolitische Erwägungen eine Rolle. Horst Seehofer etwa trat 2008 von der bundespolitischen Bühne ab, um bayerischer Ministerpräsident zu werden. Philipp Rösler wechselte 2011 wegen seines Aufstiegs zum Vizekanzler vom Gesundheitsministerium an die Spitze des gewichtigeren Wirtschaftsressorts. Müntefering wiederum schied aus dem Amt, um sich um seine krebskranke Frau zu kümmern.

Zu den großen Aktivposten der Merkel-Ära zählen übrigens Ursula von der Leyen und Thomas de Maiziere. Beide sind schon von Anfang an dabei und haben jeweils gleich drei Chefposten bekleidet: Von der Leyen als Familien, Arbeits- und Verteidigungsministerin, de Maiziere als Kanzleramtsminister sowie Verteidigungs- und Innenminister. Die Liste der Ressortchefs, mit denen Merkel zu tun hatte und hat, zählt mittlerweile 39 Namen - von A wie Aigner bis Z wie Zypries.