Villenviertel leben auf

Meinung: Villenviertel leben auf

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Villenviertel leben auf

Von Dietmar Klostermann

Der Zustrom von Flüchtlingen hat revolutionäres Potenzial für die deutsche Klassengesellschaft. Selbst das nobelste Viertel von Hamburg, Harvestehude, wo die Snobs sich in weißen Gründerzeitvillen und hinter ziselierten Metallzäunen mit eingebauten Kamera-Augen verkriechen, öffnet sich jetzt. Die Millionäre erlauben gütigst, dass in das alte Wehrersatzamt 190 Flüchtlinge einziehen. Die positiven Effekte werden sich alsbald einstellen: Kinder werden auf den Bürgersteigen Ball spielen und Skateboard fahren, neidisch beäugt von Gleichaltrigen, die aus den Villenpforten in Geländewagen zum Polo-Club chauffiert werden. Grünflächen und Plätze werden belebt, Menschen grillen, reden und tanzen miteinander. Ein Kulturschock in den Eins-A-Wohnlagen, der zwar zu Abstrichen auf den Rankingtabellen der Makler-Verbände führt. Aber die Hautevolee kann sich dafür teure Therapie-Sitzungen ersparen, wenn sie einfach eintaucht in das wahre Leben - direkt vor der Haustür.