Vielleicht wird gar nichts gut

Für ein paar Tage nach der US-Wahl gab es die Hoffnung, dass alles Vorangegangene nur eine schrille Show war. Dass Donald Trump , der Demagoge und Entertainer, im Wahlkampf nur Sprüche klopfte, ohne jemals in die Tat umsetzen zu wollen, was an Parolen aus seinem Mund kam. Als er in der Nacht seines Triumphes versprach, das Land zu einen, klang er auf einmal wie ein Geläuterter. Als er bei seinem ersten Besuch im Oval Office vorm Kamin saß und den Präsidenten Barack Obama , an dem er zuvor kein gutes Haar gelassen hatte, einen feinen Menschen nannte, schien es tatsächlich so, als wollte er nach den Schlammschlachten ein neues Kapitel aufschlagen. Als zöge im Januar ein Pragmatiker ins Weiße Haus.

Es gibt sie immer noch, diese Hoffnung. Die Annahme, dass Trump eher aus der konservativen Mitte heraus regiert, während er die verrücktesten seiner populistischen Ideen still und leise begräbt. Dass er keinen Handelskrieg gegen China anzettelt, illegal Eingewanderte nicht millionenfach deportiert, die Nato nicht wirklich infrage stellt. Noch hat er sein Amt nicht angetreten. Auf Wochen wird es unmöglich sein, seine wahren Absichten zu verstehen. Vielleicht kennt sie der künftige Präsident nicht einmal selber.

Nur gründet sich der Glaube, dass schon irgendwie alles gut wird, im Wesentlichen auf die Erwartung, dass sich der im Regierungsgeschäft völlig Unerfahrene mit Leuten umgibt, die ihn behutsam aufs richtige Gleis führen. Angesichts seiner bisherigen Personalentscheidungen lässt sich nur konstatieren: Womöglich wird gar nichts gut.

Trump hat Stephen Bannon zu seinem Chefstrategen gemacht, einen Mann, der offenbar an die Überlegenheit der weißen Rasse glaubt. Mit Steven Mnuchin hat er einen Finanzminister ernannt, der einst als Banker in den Reihen von Goldman Sachs im Rausch vor der Finanzkrise kräftig mit am Glücksrad des Wall-Street-Casinos drehte. Sein Verteidigungsminister James Mattis trägt den Spitznamen "Mad Dog" ("Verrückter Hund"), was auf eine gewisse Lust an riskanten Abenteuern schließen lässt. Kein Berater, wenn es denn überhaupt einer versuchte, konnte Trump davon abbringen, mit der Staatschefin Taiwans zu telefonieren, obwohl direkte Kontakte amerikanischer Spitzenpolitiker zur Regierung des Inselstaats seit 37 Jahren tabu sind. Anfängerfehler oder bewusste Provokation gegenüber China? Werden solche Vabanquespielchen bald zur Regel?

Sicher, man wird abwarten müssen, bis das gesamte Kabinett steht. Im Moment aber klingt sie eher nach Wunschdenken, die These von Trump 2.0. Im Moment scheint es so, als sollte man sie wirklich ernst nehmen, die große Donald-Trump-Show der vergangenen anderthalb Jahre.