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Verspätungen und Engpässe: An Flughäfen droht ein neuer Chaos-Sommer

Probleme im Luftverkehr : An den Flughäfen droht ein neuer Chaos-Sommer

Nach dem Verspätungschaos aus dem vergangenen Sommer soll der Flugverkehr in Deutschland wieder zuverlässiger werden. Dieses Ziel haben sich Politik und Wirtschaft vor einem knappen halben Jahr bei einem Gipfel in Hamburg gesetzt und 25 Einzelmaßnahmen verabredet.

Diesen Donnerstag soll dort nun eine erste Bilanz gezogen werden, an der aber absehbar noch etliche Haken fehlen.

Erneute Verspätungen und Flugausfälle sind auch in der kommenden Reisesaison keineswegs ausgeschlossen, denn am deutschen Himmel wird es noch enger. Nach dem Rekordwert von 3,4 Millionen Flugbewegungen aus dem Vorjahr erwartet die Deutsche Flugsicherung (DFS) für 2019 eine weitere Steigerung um bis zu vier Prozent im deutschen Luftraum. Der erste Härtetest für die im internationalen Vergleich langsamen Passagierkontrollen an den deutschen Flughäfen steht mit der Reisewelle zu Ostern an. Mit Modellversuchen in Hamburg und Frankfurt hat die Bundespolizei bewiesen, dass sie mit verbesserten technischen Anlagen deutlich mehr Passagiere pro Stunde überprüfen kann. Bei einem Modellversuch in München mit neuen Gepäck-Scannern müssen nicht einmal mehr die Laptops ausgepackt werden. Doch bislang stehen die neuen Anlagen mit Überholmöglichkeiten für schnellere Passagiere noch fast nirgendwo.

Ungelöst bleibt die Frage nach dem Einsatz privater Sicherheitskräfte, die an den Flughäfen von der Bundespolizei mit hoheitlichen Aufgaben zur Personenkontrolle beliehen sind. Im Winter haben sie ihre Streikmacht erneut bewiesen und deutlich höhere Gehälter durchgesetzt. Der Aufwand wird über Sicherheitsgebühren an die Fluggesellschaften weitergereicht, die ihrerseits die Passagiere zur Kasse bitten. Die großen Flughäfen wollen die privaten Dienstleister zu einem flexibleren Personaleinsatz bewegen, erklärt der Chef des Frankfurter Betreibers Fraport, Stefan Schulte. Weil dafür das Luftsicherheitsgesetz geändert werden müsste, fehlt aber auch hier der Haken.

Die Fluggesellschaften sind aufgerufen, ihre Flugpläne nicht wieder so eng zu stricken wie 2018, als sie um das Erbe der Air-Berlin-Strecken rangelten. Tatsächlich steigt etwa das Lufthansa-Flugangebot im Sommer mit 1,9 Prozent nur halb so schnell wie geplant. Auch andere Gesellschaften wie Tuifly und Condor wollen mehr Reserve-Jets und Crews vorhalten, um kurzfristige Probleme besser auffangen zu können. Ein Übriges könnte die Krise um die neuen Max-Modelle der Boeing 737 tun, die vorerst nicht abheben dürfen.

Bereits beim Gipfel im Oktober war allen klar, dass die Personalengpässe bei der Flugsicherung 2019 anhalten. Für die erwarteten Verkehrsmengen sind laut DFS-Chef Klaus-Dieter Scheurle mindestens 90 Lotsen zu wenig an Bord. Die bundeseigene DFS, die mit Software-Problemen kämpft, hat nun ihre Ausbildungskapazitäten hochgeschraubt, verhandelt mit der Hausgewerkschaft GdF über weitere Überstunden und hat Lotsen aus Nachbarländern abgeworben. Die Lücken sind so schnell allerdings nicht zu schließen, da die Ausbildung vier bis fünf Jahre dauert. Die GdF rechnet daher für den Sommer mit noch schlechteren Pünktlichkeitswerten. „Die sichere Verkehrssituation hängt aber nicht allein von der Zahl der Lotsen ab“, sagt Scheurle und sieht die Politik in der Pflicht. „Am Himmel wird es eng, und das spüren wir“, hatte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) postuliert. Tatsächlich soll sich die Bundesregierung laut dem Gipfel auf EU-Ebene für kürzere Planungszeiträume, engere Zusammenarbeit der nationalen Flugsicherungen und den Einsatz automatisierter Systeme einsetzen. Von konkreten Ergebnissen ist bislang aber nichts bekannt.