Unter Tage geht es weiter

Klarheit sieht anders aus. Nach wochenlangem Hickhack um das Ende oder die Fortführung des Kohle-Bergbaus an der Saar ist gestern eine Entscheidung gefallen - die alle möglichen Interpretationen offen lässt. Zähneknirschend hat die Landesregierung zwar grünes Licht für den Abbau im Flöz Grangeleisen gegeben, dies jedoch von Auflagen abhängig gemacht

Klarheit sieht anders aus. Nach wochenlangem Hickhack um das Ende oder die Fortführung des Kohle-Bergbaus an der Saar ist gestern eine Entscheidung gefallen - die alle möglichen Interpretationen offen lässt. Zähneknirschend hat die Landesregierung zwar grünes Licht für den Abbau im Flöz Grangeleisen gegeben, dies jedoch von Auflagen abhängig gemacht. Die Auflagen sollen nach Darstellung des Förder-Unternehmens RAG problemlos zu erfüllen sein. Das hieße, der Kohleabbau im Saarland geht vorerst weiter. Doch zu welchem Preis? Der Kampf um den so emotionsbeladenen Bergbau hat mittlerweile ein Stadium erreicht, in dem sich die Hauptakteure nur noch vorsichtig und verklausuliert äußern. Die Landesregierung, die nach dem großen Beben vom 23. Februar schon das Ende des Bergbaus proklamiert hatte, musste aufgrund der Rechtslage, des Widerstandes der Bergleute und der Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Ersatz-Arbeitsplätzen zugestehen, dass eine radikale Lösung nicht durchsetzbar ist. Deshalb hat sie jetzt dem Abbau im Flöz Grangeleisen unter Bedingungen zugestimmt. Für die Bergleute, die Zuliefer-Industrie und die Kraftwerkswirtschaft ist dies ein gutes Signal. Für die Bergbau-Gegner stellt der Beschluss indes eine arge Enttäuschung dar, denn nun geht die Phase der Unsicherheit weiter. Zur Erinnerung: Auch über Grangeleisen hatte in der Vergangenheit mehrfach die Erde gebebt, wenn auch nicht so stark wie in der Primsmulde. Auch wenn die Entscheidung von den Bergbau-Betroffenen, von FDP und Grünen als falsch und fragwürdig empfunden wird, ist gleichwohl festzustellen: Die Landesregierung hatte keine echte Alternative. Die Abbaugenehmigung für Grangeleisen bestand bereits, und die RAG pochte auf ihre Rechte. Ob die verlangten Auflagen tatsächlich erfüllt werden und künftige Gefährdungen ausschließen, wird die Zukunft zeigen. Die eigentliche Bewährungsprobe wartet allerdings bei der Genehmigung des Kohlefelds Wahlschied. Kommt es auch hier zum Abbau, wird es wohl bis zum Jahr 2012 Bergbau an der Saar geben - mitsamt den Protesten und Begleiterscheinungen. Es wird ein (teurer) Rumpfbergbau auf Bewährung sein, der bei der geringsten Kleinigkeit wieder in Frage steht. Glücklich über diese zähe Entwicklung kann niemand sein. Doch die Kompromisslösung lässt den Bergleuten, der RAG und der Landesregierung wenigstens Zeit, den Übergang sozialverträglich zu gestalten und sich an das Unvermeidbare zu gewöhnen: das endgültige Ende des saarländischen Bergbaus in spätestens vier Jahren.