1. Nachrichten
  2. Meinung
  3. Standpunkt

Unheilige Geschäfte des Heiligen Stuhls

Unheilige Geschäfte des Heiligen Stuhls

Es ist erst ein paar Tage her, dass das Institut für die religiösen Werke (IOR) erstmals seine Bilanz veröffentlichte. Mit Interesse nahm die Fachwelt von den Zahlen aus dem Jahr 2012 Kenntnis.

Es war ein historischer Augenblick, denn noch nie hatte die sagenumwobene Vatikanbank, die laut ihrem Statut nur Geistlichen, Vatikan-Mitarbeitern, Vatikan-Diplomaten sowie katholischen Stiftungen und Organisationen zugänglich ist, Einblick in ihre Bücher gewährt. Immer wieder betonte der deutsche IOR-Präsident Ernst von Freyberg, er wolle mehr Transparenz.

Nicht mitgeteilt wurde der Öffentlichkeit, dass offenbar Hunderte Privatkunden viele Jahre lang Schwarzgeld-Konten bei dem Institut unterhalten haben. Das sollen interne Prüfungen ergeben haben, meldete gestern "Spiegel Online". Bis zum Sommer 2013 seien mehr als 300 Millionen Euro auf Konten von mehr als tausend Privatleuten gelagert worden. "Nach internen Informationen aus der Bank soll es sich bei diesem Geld zum allergrößten Teil um Schwarzgeld handeln", hieß es. Insgesamt verfügt das IOR über ein Vermögen von sechs Milliarden Euro. Die römische Zeitung "Corriere della Sera" hatte vergangene Woche berichtet, die Bank habe am 23. September 900 Briefe an Kunden verschickt mit der Aufforderung, ihre IOR-Konten zu schließen. Den Regularien der Bank zufolge ist es offiziell nicht zulässig, dass vatikanfremde Privatpersonen Konten beim IOR unterhalten.

Im Vatikan reagierte man überrascht auf die neuen Vorwürfe. Der Pressesprecher des Heiligen Stuhls, Pater Federico Lombardi, sagte der Saarbrücker Zeitung, er wisse nichts von den Vorwürfen. Er wies aber auf die Anstrengungen der Vatikanbank hin, Transparenz zu fördern und internationale Standards in der Geldwäsche-Bekämpfung zu erreichen. "Diese Prozeduren werden wie bisher weiter verfolgt", sagte er .

2011 hatte Papst Benedikt einen Prozess in Gang gebracht, in dem die Vatikanbank sich internationalen Standards nähern sollte. Papst Franziskus hatte vor kurzem eine Kommission zur Überprüfung der IOR-Aktivitäten eingesetzt. In diesem Zusammenhang war auch die Rede von einer Umwandlung des Instituts in eine "Ethik-Bank" und sogar seiner möglichen Schließung. Seit Wochen sind auf interne Initiative zudem Rechnungsprüfer im Vatikan zugange, die die Konten der Bank durchleuchten. 20 Experten der US-amerikanischen Beratungsgesellschaft Promontory prüfen die knapp 19 000 Konten. Auch die vom Papst eingesetzte IOR-Kommission soll unbeschränkten Zugang zu internen Informationen haben.

Die Enthüllungen könnten die Reputation der Bank erneut beschädigen. IOR-Präsident von Freyberg, der erst im Frühjahr eingesetzt wurde, sagte in einem Interview mit der Vatikan-Zeitung "Osservatore Romano" aus Anlass der Veröffentlichung der Bilanzen: "Für den Heiligen Stuhl ist es sehr wichtig, dass das IOR ein positives Subjekt wird und nicht von der Botschaft des Heiligen Vaters ablenkt."

Bereits in der Vergangenheit machte die Vatikanbank, die lange Zeit als Steuer-Paradies galt und Strafverfolgern gegenüber verschlossen war, immer wieder wegen Schwarzgeld-Konten auf sich aufmerksam. So wurden hier angeblich nicht nur Schmiergelder für italienische Politiker gelagert. Auch die sizilianische Mafia soll hier Geld gewaschen haben.