UN-Klimakonferenz in Madrid: Der Druck im Klimakessel muss jetzt steigen

UN-Klimakonferenz in Madrid : Der Druck im Kessel muss jetzt steigen

Nächstes Jahr, so sagen Klimaforscher, muss die Weltgemeinschaft die Kurve kriegen, um das Schlimmste zu verhindern. Bevor am Montag (2. Dezember) die UN-Klimakonferenz beginnt, betonen Klimaschützer daher: Der entscheidende Sprung 2020 kann nur klappen, wenn die Staaten in Madrid ordentlich Anlauf nehmen. Ein Alleinstellungsmerkmal hat die zweiwöchige Konferenz in Spaniens Hauptstadt mit rund 25 000 erwarteten Teilnehmern schon.

Sie wurde in nur einem Monat organisiert, nachdem die chilenische Regierung Ende Oktober wegen der sozialen Proteste im Land abgesagt hatte. Die Bundesregierung ist voll des Lobes für die Spanier, Präsidentin wird aber wie geplant Chiles Umweltministerin Carolina Schmidt.

Vor dem Start häufen sich die Hiobsbotschaften. Noch immer reicht es längst nicht, was die knapp 200 Mitgliedsstaaten des Pariser Klimaabkommens planen, um den Temperaturanstieg auf deutlich unter zwei Grad zu begrenzen. Ein Grad wärmer als in der vorindustriellen Zeit ist es im Mittel schon jetzt, in Deutschland seit 1881 sogar 1,5 Grad. Hitzewellen und Dürren nehmen zu, Starkregen aber auch. Für Land- und Forstwirtschaft und für die Gesundheit steigen die Risiken.

2015 ist das historische Klimaabkommen in Paris gelungen. 2018 beschlossen die Staaten im polnischen Kattowitz ein Regelwerk, nach dem nun über Fortschritte im Klimaschutz berichtet werden soll. Und diesmal? Geht es hauptsächlich um drei Themen.

Das Pariser Abkommen sieht vor, dass die Staaten alle fünf Jahre ehrgeizigere nationale Klimaschutz-Pläne vorlegen. 2020 ist es erstmals so weit. Einige Staaten haben schon im September angekündigt, nachzulegen – 66, wie Rixa Schwarz von Germanwatch erklärt, die aber zusammen nur für acht Prozent der Treibhausgas-Emissionen verantwortlich sind. G20-Staaten sind noch nicht dabei.

Nun soll Druck aufgebaut werden. Auch Langfriststrategien bis 2050 sind gefragt. Für Deutschland gilt das EU-Klimaziel. WWF-Klimachef Michael Schäfer sagt, es wäre ein „extrem wichtiger Schritt“, wenn die EU bei der Konferenz das Ziel, bis spätestens 2050 keine Treibhausgase mehr auszustoßen, festschriebe. Im Regelwerk für den globalen Klimaschutz hat Kapitel 6 noch Lücken: Dort soll festgelegt werden, wie mit Klimaschutz gehandelt werden kann. Wenn ein Staat seine Ziele übererfüllt, kann er ein CO2-Budget verkaufen – und andere Staaten, bei denen es langsamer geht, können es kaufen. Außerdem können auch Unternehmen Klimaschutz finanzieren und damit ihre Klimabilanz verbessern.

Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) betont, zentral sei Transparenz und dass nichts doppelt angerechnet würde. Es geht also um die Buchhaltung. Als problematisch gilt in den Verhandlungen vor allem Brasilien – Staatschef Jair Bolsonaro ist für Klimaschützer ohnehin ein rotes Tuch, auch wegen seines Umgangs mit den Amazonas-Bränden.

Bei jeder Klimakonferenz geht es auch um Geld. Die Folgen der Erderhitzung treffen zunächst vor allem ärmere Staaten heftig. Meist wird über CO2-Sparen und Anpassung an den Klimawandel geredet, aber auch der Umgang mit Schäden und Verlusten ist für viele Länder existenziell wichtig. Dafür wurde 2013 der sogenannte Warschau-Mechanismus eingerichtet, der dafür sorgen soll, dass Hilfsgelder in diese Länder fließen. Nun wird offiziell überprüft, wie es läuft.

Viele Unternehmen sehen Klimaschutz inzwischen als Geschäftsmodell. Andererseits stellen nationalistische Regierungen die internationale Zusammenarbeit in Frage. Klimaschützer hoffen, dass der erste Trend die Verhandlungen in Madrid treibt – und der zweite sie nicht bremst.

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