Wiener Blut : Glücklich ist, wer vergisst

Küss‘ die Hand, glückliches Österreich! An einem harmlosen Sonntagabend im Oktober kehrt Felix Austria zurück zu den glorreichen Zeiten von K und K. Denn Kurz wird Kaiser, äh, Kanzler. Und was für einer: Jung ist er, kaum 31, das gab‘s noch nie. Fesch ist er, sagen manche. Frischen Wind bringt er, sagen viele. Und dann die Nähe zum ungarischen Regenten – welch glückliche Anlehnung an die alte K. u. K. Doppelmonarchie.

Die größte Verjüngung seit Kaiserin Sissi in einem Land, dessen glanzvoller Schmäh von einst arg mit alten Männern und Frauen verbunden ist. Metternich, Franz Joseph und Maria Theresia. Wie glücklich bist du also, altehrwürdiges Österreich, dass du, erstmals seit Romy Schneider, der Jugend eine Chance gibst. Die gibt’s zwar auch anderswo. Macron ist der neue Napoleon, Lindner ist die neue FDP. Aber keiner ist so jung wie ÖVP-Kaiser Kurz.

Ist ja wurscht, was der neue Kaiser eigentlich will. Dass sein frischer Wind von rechts weht. Teils übel riechend, wie schon an anderer Donau Strand. Da empfiehlt sich doch ein anderes Bonmot aus feiner österreichischer Feder: Glücklich ist, wer vergisst.

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