Trumps Russland-Problem

Am kommenden Freitag wird Donald Trump den Amtseid als 45. Präsident der USA ablegen, und eine brisante wie schwerwiegende Frage wird bis dahin nicht geklärt sein: Wie ist das Verhältnis des Wahlsiegers zu Wladimir Putin? Man tut gut daran, den Beteuerungen Trumps nicht zu glauben, es bestünden keinerlei Verbindungen zum Kreml - und es gebe keinerlei Material in Russland, das ihn erpressbar machen könnte. Der New Yorker Geschäftsmann und politische Seiteneinsteiger hat es bekanntlich in der Vergangenheit mit der Wahrheit nicht so genau gekommen. Und nichts spricht dafür, dass er sich verändert hat. Dem Autoren ist zudem noch gut jene Wahlkampfveranstaltung in Erinnerung, auf der Trump - im Scherz? - Moskau aufforderte, sich der E-Mails seiner Konkurrentin Hillary Clinton anzunehmen. Wusste er da schon mehr? Auch das lange kategorische Abstreiten des Geheimdienst-Fazits, Moskau habe Cyberangriffe auf Rechner der US-Demokraten veranlasst, könnte durchaus zu dem Schluss führen: Trump verteidigt einen Verbündeten.

Nach dem Einzug des früheren Reality-TV-Stars ins Weiße Haus könnten - das ist angesichts des nun stattfindenden Bohrens zahlreicher Rechercheure wohl unvermeidlich - neue Details über eine mögliche Moskau-Connection von Trump oder seinen engsten Mitarbeitern ans Licht kommen. Was wären dabei für Trump schädliche Aufschlüsse? Zum Beispiel die Möglichkeit, dass Mitglieder seines Wahlkampfteams in Russland waren und dort von den Hackangriffen auf Clinton erfahren haben, nur um sich später ahnungslos zu stellen. Oder: Dass das Trump-Lager dem Kreml als Belohnung für ein Eingreifen in den Wahlprozess durch das Lancieren von E-Mails an Wikileaks spätere politische Zugeständnisse versprochen hat. Ein solch schäbiger "Deal" wäre dem Mann, der sich als bester Verhandler der Welt preist und über die Kunst des "Dealens" einen Bestseller schrieb, zuzutrauen. Sollten solche Konstellationen beweiskräftig ans Licht kommen, wäre ein Amtsenthebungsverfahren der nächste Schritt.

Trump sollte dabei seine Parteifreunde, die jetzt über die Mehrheit in den beiden Kongresskammern verfügen, nicht unterschätzen. Viele Konservative sehen Russland als geopolitischen Feind Nummer eins. Und Trumps Rambo-Verhalten bei den Vorwahlen ist noch gut in Erinnerung. Manchen käme eine Abrechnung mit dem Mann, der an den üblichen Spielregeln im Umgang miteinander nicht interessiert ist, durchaus gelegen. Und: Trump dürfte nicht wissen, was der mit allen Wassern gewaschene Putin über ihn in der Hand hält. Das Ziehen einer Joker-Karte wäre dem Herrscher im Kreml jederzeit zuzutrauen, sollte die Männerfreundschaft mit Donald Trump erkalten.