Trotz als schlechter Wahlhelfer

Ein Gedankenspiel: Was wäre gewesen, wenn der demokratische Präsidentschaftsbewerber Al Gore im Jahr 2000 den Schlüsselstaat Florida nicht mit wenigen Stimmen an den Republikaner George W. Bush verloren hätte? Wenn nach den Anschlägen von 2001 also ein liberaler, auf internationale Kooperation setzender US-Präsident im Weißen Haus regiert hätte, kein texanischer Cowboy, dem aggressive Weltverbesserer das Programm diktieren? Den desaströsen Irak-Krieg hätte es kaum gegeben. Wäre der IS vielleicht nie entstanden?

Gore hätte Bush in Florida locker geschlagen, wäre dort nicht auch der linke Bewerber Ralph Nader angetreten, der ihm entscheidende Stimmen wegnahm. Aber der Anwalt hatte sich nicht davon abbringen lassen, seinen aussichtslosen Kampf um radikale Veränderung als Kandidat der kleinen Grünen durchzuziehen.

2016 liegt der Fall ähnlich. Diesmal kämpft der Prophet des fundamentalen Wandels, Bernie Sanders, zwar innerhalb der Demokraten. Der Dauerbeschuss, dem er die fast sichere Partei-Kandidatin Hillary Clinton dabei aussetzt, mindert deren Chancen auf einen Sieg bei der Präsidentschaftswahl aber immer mehr und spielt Donald Trump in die Hände. Am Ende könnte so wieder ein Linker das Geschäft der US-Rechten betreiben. Was wäre die Folge: Einreiseverbote für Muslime, Stopp von Iran- und Klima-Abkommen ? Viele Anliegen Naders und Sanders verdienen Sympathie. Die Kritik am Einfluss des großen Geldes auf die US-Politik etwa. Nur wurden die jüngsten Lockerungen für große Wahlkampfspender vom Obersten US-Gericht verfügt - von dessen konservativer Mehrheit, die durch Ernennungen von George W. Bush gesichert wurde. Also letztlich dank Nader.

Haltung in der Politik ist wichtig. Trotz aber kann eigene Ziele torpedieren. Die Grünen haben darüber lange gestritten - letztlich haben die Realos sich mit der Erkenntnis durchgesetzt, dass totale Opposition eine handlungsfähige Mehrheit gegen die Union erschwert. Bundespolitisch ist Angela Merkel nur deswegen alternativlos, weil sich die Linke durch Maximalforderungen selbst aus dem Spiel nimmt. Wie sähe die Sozialpolitik aus, böten außenpolitische Forderungen der Linken der SPD nicht regelmäßig Argumente gegen Rot-Rot? Insofern darf sich Oskar Lafontaine , der linke Oberfundi, wie der deutsche Ralf Nader fühlen, der eine ungeliebte Regierung erst ermöglicht hat.

Dabei mögen Sie ja gute Argumente haben, die Trotzigen wie Sanders. Vieles im politischen und sozialen System der USA läuft falsch. Nur sind Staaten Tanker, deren Kurs man friedlich nur langsam korrigieren kann. Wer das nicht erkennt, schadet der eigenen Sache. Den USA - und uns - ist zu wünschen, dass Sanders bald aus dem Kandidaten-Rennen ausscheidet und das Feuer gegen Clinton einstellt.