Trauriges Ende einer Tradition

Diese Messe ist gehalten. Von der Saarmesse , die gestern in Saarbrücken ihre Pforten schloss, kann man das wohl nach dem heutigen Stand der Dinge sagen. Nach 66 Jahren sind eine Traditionsausstellung und ein wichtiger Teil des saarländischen Wirtschafts- und Gesellschaftslebens Geschichte.

Es gibt kaum jemanden, der als Kind nicht über die Saarmesse geschleppt wurde, wenn sich die Eltern umsehen wollten, was es Neues für Haus und Garten gab und welche exotischen Gaumen-Spezialitäten künftig den Speisezettel bereichern könnten. Auf der anderen Seite zeigten saarländische Industrieunternehmen, was sie zu bieten und was sie vorhatten - Wirtschaftspolitik zum Anfassen.

Dass die Saarmesse und viele andere Veranstaltungen am Saarbrücker Schanzenberg so erfolgreich waren, ist in erster Linie der Familie Grandmontagne zu danken. Vor allem Messe-Patriarch Heinz Grandmontagne war ein besessener Ausstellungs-Organisator, der dank seiner guten Kontakte in die Saarbrücker Sozialdemokratie außerdem schalten und walten konnte, wie er wollte. Die Landeshauptstadt profitierte davon, weil sie eine der wenigen Ausstellungsorte in Deutschland war, deren Haushalt nicht von einer hoch defizitären Messegesellschaft belastet wurde.

Man könnte sich nach 66 Jahren zwar mit einer Wehmuts-Träne doch leichteren Herzens von der Saarmesse verabschieden, wenn am Horizont schon eine glänzende Ausstellungs-Zukunft sichtbar wäre. Dies ist nicht der Fall, auch wenn uns viele das glauben machen wollen. Die Alternativ-Standorte Congress- oder Saarlandhalle beziehungsweise das E-Werk sind von Ausstellungsflächen und Parkmöglichkeiten her für Messen denkbar ungeeignet, auch wenn es künftig nur noch kleine Kongress- und Fachmessen sein werden, die das Publikum in Scharen anziehen sollen.

Die Situation ist verfahren. Selbst die als sinnvoll erachtete Fusion der Gesellschaften Saarmesse und Congresszentrum Saar (CCS) mit einer gemeinsamen Geschäftsführung kommt nicht voran. Angeblich soll es ein Supermanager von draußen richten. Doch solche Lichtgestalten hatten wir schon öfter. Die meisten scheiterten kläglich und/oder hinterließen ein finanzielles Desaster. Warum besinnt man sich nicht auf bewährte Kräfte, die wissen, wie der Hase läuft, und die schon jetzt das Kongress- und Ausstellungsgeschäft erfolgreich stemmen?

Außerdem: Warum kann es nicht für ein paar Jahre noch der Schanzenberg sein? Bis etwas Besseres vorhanden ist. Es müssten nicht mehr alle Hallen sein. Und eine bauliche Fitnesskur für die übrigen kann nicht die Welt kosten. Der Spatz in der Hand ist schon da, doch die Taube auf dem Dach ist weit und breit nicht zu sehen.