Töten mit dem Joystick

Die Bundeswehr achtet gerne darauf, stets das neueste Material zu haben. Das ist der Stolz der Generäle. Die Politik wiederum achtet darauf, dass die Bundeswehr dem Krieg nicht zu nahe kommt. Sie nennt das die deutsche Kultur der Zurückhaltung - abzulesen am Verhalten der Bundesregierung im Fall Libyen und aktuell wieder in Mali

Die Bundeswehr achtet gerne darauf, stets das neueste Material zu haben. Das ist der Stolz der Generäle. Die Politik wiederum achtet darauf, dass die Bundeswehr dem Krieg nicht zu nahe kommt. Sie nennt das die deutsche Kultur der Zurückhaltung - abzulesen am Verhalten der Bundesregierung im Fall Libyen und aktuell wieder in Mali. Die bewaffnete Drohne ist, sarkastisch ausgedrückt, der beste Kompromiss zwischen beiden Interessen. Sie ist das ideale Instrument für Auslandseinsätze eines Landes, das internationale Sicherheitspolitik betreibt nach der Devise "Wasch mir den Pelz, aber mach mich nicht nass".Verteidigungsminister Thomas de Maizière irrt, wenn er keinen ethischen Unterschied erkennen will zwischen der von einem Kampfflugzeug abgeworfenen Bombe und den lasergesteuerten Geschossen einer Predator-Drohne. Der Unterschied besteht eben darin, dass sich ein Land im ersten Fall offen - in Deutschland sogar per Beschluss des Bundestages - in einem kriegerischen Konflikt befindet, im anderen Fall aber nur versteckt. Die USA führen aus ihren Kommando-Containern in Virginia heraus per Joystick täglich Krieg in Pakistan und im Jemen, ohne dass irgend jemand das so nennt. Das macht den Krieg aber nicht sauberer.

Momentan zieht sich die Bundesregierung auf pragmatische Argumente zurück. Sie sagt, dass die bereits vorhandenen Aufklärungsdrohnen, die in Afghanistan in der Luft sind, ersetzt werden müssen. Und dass es keinen prinzipiellen Unterschied macht, ob die Drohnen den Feind nur mit Kameras überfliegen oder ob sie zusätzlich Geschosse an Bord haben. Im Gegenteil, die raketenbestückten Geräte könnten den Feind dann auch gleich bekämpfen, ehe er den deutschen Feldlagern zu nahe kommt. Sie könnten also das Leben von Soldaten schützen.

Das ist die eine Dimension der Debatte, und sie ist nicht falsch. Doch es gibt die andere, grundsätzliche: Drohnen sind sehr offensive Waffen in asymetrischen Kriegen. Und sie bedeuten, dass man sich leichter als bisher in diese Auseinandersetzungen hineinbegeben kann. Zumindest aber wird die Erwartung der Bündnispartner wachsen, dass die Bundeswehr solche militärische Ausrüstung auch einsetzt, wenn Berlin sie erst beschafft hat. So wie jetzt deutsche Patriot-Raketen an der Grenze zu Syrien stehen, einfach deshalb, weil in Europa nur Deutschland (und Holland) sie besitzt.

Aber will man das wirklich? Was soll künftig Deutschlands Rolle in den Konflikten dieser Welt sein? Diese Fragen gehören endlich debattiert und entschieden, statt sich jedes Mal herauszuwinden. Erst kaufen und dann nachdenken - das ist jedenfalls die falsche Reihenfolge.