Stark wie nie zuvor im Bund

Selten ist das Saarland ja im Konzert der Länder ganz vorn. Die Zahl der Feinschmecker-Sterne je Kopf und Bauch fällt einem ein – und dann? Jetzt aber hat die Saar eine Ausnahmestellung im Bundeskabinett.

Mit gleich zwei Ministern - dem Überraschungszugang Heiko Maas als Justizchef sowie oberstem Verbraucherschützer. Und dem CDU-Mann Peter Altmaier, der im Kanzleramt nun der Mann an Merkels Seite ist - eine Einflussposition par excellence, zumal bei selber politischer Farbenlehre in Berlin wie an der Saar. Kurz vorm Fest klingt das also nach einer tollen Bescherung für das Saarland. Und das ist es auch. So viel Zugriff wie Maas und Altmaier in der Bundesregierung für das Saarland mobilisieren können, hatte allenfalls mal Kurzzeit-Bundesfinanzminister Oskar Lafontaine. Diesen Einfluss hat das Saarland auch bitter nötig: Die nach wie vor existenzbedrohende Kassenlage des Landes schreit nach starken Fürsprechern im Bund.

Das Saarland verliert in Maas freilich auch einen Wirtschaftsminister, der durchaus Punkte machte. Zudem sollte man den Maas-Faktor für das Zustandekommen und Funktionieren der schwarz-roten Allianz nicht unterschätzen: Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihr Vize räumten vieles aus, bevor es Probleme machte. Daran freilich dürfte sich grundsätzlich nichts ändern, wenn die bisherige Umwelt- und Justizministerin Anke Rehlinger ins Wirtschaftsministerium geht - und das Saarland von zwei Frauen regiert wird. Zu akribisch haben CDU und SPD ihre Koalition der Vernunft ausgehandelt. Rehlinger aber ist fürs neue Ressort nicht bloß aus SPD-Sicht eine gute Wahl. Schon in ihrem bisherigem Amt hatte sie - via erneuerbare Energien - mit Wirtschaftsfragen zu tun. Die 37-Jährige ist zudem durchsetzungsstark, aber auch hinreichend pragmatisch. Die Personalie Reinhold Jost muss man dagegen eher als internes Dankeschön an einen emsigen Parteiarbeiter und Überzeugungssaarländer verbuchen, dem jetzt Berlin "erspart" bleibt. So mancher wird sich aber daran stören, dass der neue Justizminister kein Jurist ist. Mit Anke Rehlinger hingegen könnte die SPD auch einen entscheidenden Schritt tun, die CDU irgendwann mal wieder als führende Saar-Partei abzulösen. Klebte Maas doch das Pech des ewigen Zweiten der Landespolitik an den Hacken. Seine Ankündigung, hier SPD-Chef zu bleiben, könnte also von überschaubarer Restlaufzeit sein. Denn Rehlinger wird sich nun nicht nur als Nummer zwei der Landesregierung profilieren, sie kann auch Kramp-Karrenbauer in einem kommenden Wahlkampf von Frau zu Frau leichter politisch attackieren. Und wo Maas das Rampenlicht mied, steht die zupackende Rehlinger gern mittendrin: Die Zukunft der Saar-SPD ist weiblich.