Schlüsselspiel der Bundesliga

Heute startet die Bundesliga mit dem Spiel des Meisters VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart in ihre vielleicht wichtigste Saison seit der Gründung 1963. Dafür ist nicht der sportliche Aspekt entscheidend. Diesbezüglich ist alles im Lot in der Eliteklasse des Lieblingssports der Deutschen

Heute startet die Bundesliga mit dem Spiel des Meisters VfL Wolfsburg gegen den VfB Stuttgart in ihre vielleicht wichtigste Saison seit der Gründung 1963. Dafür ist nicht der sportliche Aspekt entscheidend. Diesbezüglich ist alles im Lot in der Eliteklasse des Lieblingssports der Deutschen. Das Interesse der Fans ist immens, es gibt neue Stars und Trainer und der Ansturm auf die Stadion wird eher größer als kleiner. Aber die Liga könnte auf dem Rasen der finanziellen Tatsachen landen. Die Wirtschaftskrise hat auch sie erreicht: Bei einer Umfrage der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Ernst & Young antwortete ein Drittel der Erst- und Zweitligaklubs, dass sie mit Verlust arbeiteten. 2008 waren es nur sieben Prozent. So müssen sich die Clubs Gedanken machen, wie sie das größte Zuschauer-Spektakel des europäischen Fußballs am Laufen halten: Dass die Bundesliga im Europavergleich mit Abstand die meisten Zuschauer in die Stadien lockt, hängt damit zusammen, dass die Liga Spannung pur bietet. Das ist auch ihrer zentralen Vermarktung zu verdanken. Die Fernsehgelder verteilt die DFL an alle Klubs halbwegs gerecht. Das ist in Europa, wo in der Regel die Top-Clubs das große Geld machen, nahezu einmalig und sorgt für ein flaches Leistungsgefälle.Doch von der Spannung allein können die Manager keine Spieler kaufen, wenn die Sponsoren sich zurückziehen. Im Herbst könnte vor diesem Hintergrund etwas passieren, das die Statik der Liga gänzlich auf den Kopf stellt. Dann wird von den 36 Profiklubs darüber abgestimmt, ob der Fußball für Investoren weit geöffnet wird, ob die so genannte 50+1-Regel fällt. Sie besagt, dass ein Verein die Mehrheit an seiner ausgelagerten Profi-Abteilung halten muss. Daher gibt es in der Bundesliga bislang keine Rohstoffmagnaten, die sich aus Jux mal einen Verein kaufen. Doch die Liga denkt ernsthaft darüber nach, diese Regel zu kippen. Dazu ist aber eine Zwei-Drittel-Mehrheit nötig, die keineswegs sicher ist. Dennoch: Der Kampf um die Regel 50+1 ist das Schlüsselspiel der Liga. Wenn die Klubs für internationale Investoren geöffnet werden, drohen auch in Deutschland englische und spanische Verhältnisse: Zwei, drei Vereine dominieren alles, die Verschuldung steigt ins Unermessliche. Aber Vereine dürfen nicht nur Renditebringer sein. Sie müssen Identifikation bieten, Traditionen pflegen - so wie in der Bundesliga. Deshalb ist zu hoffen, dass die Verantwortlichen eine Entscheidung treffen, die allen hilft. Den Vereinen, der Liga und den benötigten Investoren. Vor allem aber den Fans. Die sind das Wichtigste beim Spektakel um das runde Leder.