Schlechtes Klima in Doha

Meinung · Zwei Wochen wurde in Doha über die Zukunft des Klimas und damit der Menschheit verhandelt. Am Ende stand erneut praktisch ein Scheitern. Die Gründe sind vielfältig. Gewiss greift es zu kurz, die Schuld für die abermalige Nicht-Verständigung zwischen westlichen Industrienationen, Schwellenländern und Entwicklungsstaaten den USA in die Schuhe zu schieben

Zwei Wochen wurde in Doha über die Zukunft des Klimas und damit der Menschheit verhandelt. Am Ende stand erneut praktisch ein Scheitern. Die Gründe sind vielfältig. Gewiss greift es zu kurz, die Schuld für die abermalige Nicht-Verständigung zwischen westlichen Industrienationen, Schwellenländern und Entwicklungsstaaten den USA in die Schuhe zu schieben. Auch die EU fand in Doha kaum eine Linie - trotz des engagierten Auftritts von Bundesumweltminister Peter Altmaier.Und die Euro-Krise hat auch bei uns das Klima an den Rand gedrängt. Aber es führt kein Weg an der Erkenntnis vorbei, dass es letztlich die distanziert-destruktive Haltung der USA in der Klimapolitik ist, die den Kyoto-Nachfolgeprozess nicht vom Fleck kommen lässt. Nicht ein einziger Abgeordneter des US-Kongresses hielt die Verhandlungen für wichtig genug, den Weg in das Wüstenreich anzutreten. Die US-Medien schweigen sich weitgehend aus. US-Chefunterhändler Todd Stern hatte nicht viel mehr als die alten Ausreden anzubieten: Die USA seien auf gutem Weg, ihr eigenes Klimaziel einer Kohlendioxid-Verringerung um 17 Prozent bis 2020 (seit 2005) zu erreichen. Das ist weniger als das Ende des Jahres auslaufende Abkommen von Kyoto vorsieht und weit hinter den tatsächlich notwendigen Obergrenzen.

Weder die alarmierenden Befunde der Wissenschaft über die fortschreitende Erderwärmung noch die Verheerungen des Supersturms "Sandy" haben die Amerikaner zum Umdenken beim Klimaschutz bewegt. Barack Obama trägt dabei den geringeren Teil der Verantwortung. Der US-Präsident kann ohne den Kongress keine internationalen Verbindlichkeiten eingehen. Am Widerstand republikanischen Klimaleugner scheiterte schon die Ratifizierung des Kyoto-Abkommens.

Dennoch muss der US-Präsident mehr tun - und er kann. Stichwort kurzlebige Treibhausgase, die für 40 Prozent der Erderwärmung verantwortlich sind: Wenn es Obama mit dem Klimaschutz ernst meint, kann er über seine Bundes-Umweltbehörde Vorschriften erlassen, die zu einer deutlichen Reduzierung von Methan, Flurkohlenwasserstoffen oder Kohlenmonoxid beitragen. Das wäre immerhin ein Schritt in die richtige Richtung im Wettlauf gegen die Zeit.

Statt zu sinken, stieg laut einer UN-Studie die Konzentration der für die Erderwärmung verantwortlichen Treibhausgase seit 2000 um 20 Prozent. Geht der Prozess im bisherigen Tempo weiter, ist bis zum Ende dieses Jahrhunderts mit einem Temperaturanstieg von vier Grad Celsius zu rechnen. Ohne die Vorreiterrolle des weltgrößten Kohlendioxid-Verschmutzers werden sich alle anderen Dreckfinken hinter den USA verstecken. Da mag Europa führen wollen - aber keiner folgt.

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