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Sarkozys Thron wackelt bedenklich

Sarkozys Thron wackelt bedenklich

Paris. Noch zu Beginn der Krise hatte er glänzend dagestanden. "Seht her, ich tue etwas für euch", lautete die Botschaft, die Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy seinen Landsleuten erfolgreich vermittelte, in dem er einen Krisengipfel nach dem nächsten organisierte. Prompt legte er in ihrer Beliebtheit deutlich zu

Paris. Noch zu Beginn der Krise hatte er glänzend dagestanden. "Seht her, ich tue etwas für euch", lautete die Botschaft, die Frankreichs Staatspräsident Nicolas Sarkozy seinen Landsleuten erfolgreich vermittelte, in dem er einen Krisengipfel nach dem nächsten organisierte. Prompt legte er in ihrer Beliebtheit deutlich zu. Doch von der einstigen Bewunderung für den 54-Jährigen ist nicht mehr viel übrig geblieben. Stattdessen macht sich nun selbst im konservativen Wahllager und bei Abgeordneten der Regierungspartei Unbehagen breit. Auslöser sind Maßnahmen wie die Einführung einer CO2-Steuer und die Abschaffung der Gewerbesteuer, die ausgerechnet in der Krise die Kommunen um wichtige Einnahmen bringt. Sarkozys Rückhalt im konservativen Lager wurde auch durch die Sex-Eskapaden seines Kulturministers und durch seine Rolle als Nebenkläger im so genannten Clearstream-Prozess erschüttert. Sein Auftritt dort wirkt wie ein persönlicher Rachefeldzug gegen seinen einstigen Konkurrenten, Ex-Premierminister Dominique de Villepin. Endgültig zum Überlaufen gebracht wurde das Fass des Unverständnisses aber durch die Blitzkarriere von Sarkozys zweitältestem Sohn Jean. Der erst 23-jährige Jurastudent wird höchstwahrscheinlich auf den Chefposten der staatlichen Entwicklungsgesellschaft Epad gewählt, die für den Ausbau des Pariser Büroviertels La Defense zuständig ist, wo einige der größten französischen Konzerne ihren Sitz haben. Der Präsidentensohn verfügt weder über ein abgeschlossenes Studium noch über entsprechende Erfahrung. In einem Land, in dem die meisten wichtigen Posten mit Absolventen von Elitehochschulen besetzt werden, ist das eine große Ausnahme. Für viele Franzosen wirken Sarkozys eigene Credos deshalb mittlerweile wie der blanke Hohn. Denn er predigte gerade erst wieder vor Schülern: "Heute zählt in Frankreich für den Erfolg nicht, wohlgeboren zu sein, sondern hart zu arbeiten und sich mit seinen Studien, seiner Arbeit und seinem Wert bewiesen zu haben." Auch wenn die beiden Sarkozys jeden Vorwurf, Vetternwirtschaft zu betreiben, empört als persönliche Attacken von sich weisen, stößt die Blitzkarriere des Präsidentensohnes bei den meisten Franzosen auf scharfe Kritik. Laut einer für die Tageszeitung "Le Parisien" durchgeführten Umfrage sieht sogar die Mehrheit der konservativen Wähler (51 Prozent) die wahrscheinliche Wahl als schlechte Sache. Doch weder der Vater noch der Sohn wollen klein beigeben. Der Posten werde nicht bezahlt, verteidigte sich der Präsident jetzt in einem Interview: "Es handelt sich also nicht um Pfründe." Es ist jedoch längst nicht das erste Mal, dass Sarkozy einen engen Vertrauten auf einen Posten hievt. So wurde sein wichtigster Wirtschaftsberater François Pérol Chef der neuen Großbank "Banques Populaires - Caisses d'Epargne", obwohl er an den Fusionsverhandlungen der beiden Institute maßgeblich beteiligt war. Pérols Ernennung sorgte für Empörung, da die Ethikkommission, die sonst jeden Wechsel von ranghohen Beamten in die Privatwirtschaft absegnen muss, nicht eingeschaltet wurde. Auch wenn Sarkozys Image nun stark angekratzt ist, dürfte er sein Verhalten nicht wesentlich ändern. Denn er weiß, dass es weder in der Opposition noch im eigenen Lager einen glaubwürdigen Konkurrenten für ihn gibt - und dass seine Wiederwahl 2012 damit nicht in Gefahr ist.