Rommel-Mythos wankt: Taugt der „Wüstenfuchs“ als Vorbild?

Erwin Rommel : Der bröckelnde Mythos um den „Wüstenfuchs“

In Blaustein-Herrlingen, wo Erwin Rommel auf Befehl Hitlers Gift schluckte und starb, erinnerte lange ein Museum an den Generalfeldmarschall. Ohne viel Aufhebens hat der Gemeinderat es kürzlich geschlossen.

In Aalen, wo Rommel aufwuchs, will man eine nach ihm benannte Straße umbenennen. Und in seiner Geburtsstadt Heidenheim stören sich Bürger an dem großen Denkmal, das der Verband „Deutsches Afrikakorps“ 1961 für den Feldherrn errichten ließ.

Unumstritten war Rommel zwar nie. Doch 75 Jahre nach seinem erzwungenen Selbstmord am 14. Oktober 1944 ist die Debatte über eine Neubewertung des als „Wüstenfuchs“ zu Ruhm gelangten Heerführers wieder entflammt. Besonders in seiner schwäbischen Heimatregion wird gefragt, ob Rommel immer noch als Namenspatron taugt.

„Der Mythos um Rommel wankt“, konstatiert der Autor Stefan Jehle in einem von der Landeszentrale für politische Bildung veröffentlichten Beitrag. Als soldatischer Held und Sympathisant des militärischen Widerstandes gegen Hitler gilt er den einen. Andere sehen in Rommel einen Kriegsverbrecher. Vor allem, meint Jehle, sei er ein „willfähriges Werkzeug in einem lange geplanten Vernichtungsfeldzug der Nationalsozialisten“ gewesen. Es sei ein „Beispiel für braunes Denken“, dass es in Aalen immer noch eine Erwin-Rommel-Straße gebe, sagte der DGB-Kreisvorsitzende Josef Mischko bei einer Kundgebung zum Antikriegstag am 1. September. „Er war am Überfall auf Polen und andere Länder beteiligt – und er war ein glühender Verehrer Adolf Hitlers.“ Mischko appellierte, die Straße künftig nach Manfred Rommel zu benennen. Der 2013 gestorbene Sohns des Generalfeldmarschalls war lange CDU-Oberbürgermeister Stuttgarts und galt als einer der beliebtesten Politiker Deutschlands. Aalen ist dem Vorschlag durchaus zugeneigt.

Derweil ringt der Gemeinderat in Heidenheim um einen Beschluss zum Erwin-Rommel-Denkmal. Auf dem Tisch liegt ein Vorschlag des Heidenheimer Künstlers Rainer Jooß. Eine Skulptur, die das Opfer einer Landmine zeigt, soll hinzugefügt werden und einen Schatten auf den Namenszug des Generals werfen. „Er hat entlang der Front bei El Alamein unendlich viele Landminen vergraben lassen. Viele töten oder verletzen heute noch Menschen“, sagt der Künstler.

Im Rommel-Museum Herrlingen soll es künftig eine neue Dauerausstellung geben. Neben Rommel soll das Leben der jüdischen Reformpädagogin Anna Essinger und der Kunsthistorikerin Gertrud Kantorowicz, die 1945 im KZ Theresienstadt starb, beleuchtet werden.

Bundesweit sind laut Stuttgarter Zeitung noch 13 Straßen und eine Steige nach Rommel benannt, davon neun im Südwesten. Auch zwei Kasernen tragen seinen Namen. Eine Umbenennung sei nicht vorgesehen, teilte eine Sprecherin des Verteidigungsministeriums mit. Rommel habe verbrecherische Befehle missachtet und das vom NS-Regime geforderte ideologische Feindbild abgelehnt. Zudem rücke die Forschung ihn „zunehmend in die Nähe des Widerstandes“ gegen Hitler. Damit sei er weiter „sinn- und traditionsstiftend“.

Das liest sich in einem Bericht der Wissenschaftlichen Dienste des Bundestages zur Rommel-Debatte vom Februar 2019 anders: Es bleibe festzustellen, „dass sich seine Rolle im Widerstand auch nach neuesten Forschungen rund um das Netzwerk des 20. Juli auf eine mögliche Mitwisserschaft beschränkt“. Dem Verteidigungsministerium scheine allein dies schon für eine „Traditionswürdigkeit“ auszureichen. „Denn irgendein aktives widerständisches Verhalten konnte für Rommel bis heute von der historischen Forschung nicht belegt werden.“