Reichste Araber führen Hunger-Krieg im Jemen

Reichste Araber führen Hunger-Krieg im Jemen

Vertreter humanitärer Organisationen sind zutiefst schockiert über das Leid der Zivilbevölkerung im Jemen. Seit Saudi-Arabien, aktiv unterstützt von den Vereinigten Arabischen Emiraten (VAE) und Ägypten, im März einen massiven Luftkrieg gegen Huthi-Rebellen der schiitischen Minderheit begann, zahlt die Zivilbevölkerung einen gigantischen Preis.

Fast 4000 Menschen, die Mehrheit Zivilisten, starben in Wellen gnadenloser Attacken, die die Rückkehr des von den Huthis von der Macht vertriebenen und nun im Exil lebenden Präsidenten Abd Rabbo Mansur Hadi nach Sanaa ermöglichen sollen. Der Krieg trieb eine Million Menschen in die Flucht. Gravierende Zerstörungen der zivilen Infrastruktur und Grenzblockaden lähmen die Wirtschaft. Das Gesundheitssystem steht am Rande des Zusammenbruchs, Seuchen drohen sich immer mehr auszuweiten. Vor allem aber fehlt es in alarmierendem Maße an Nahrungsmitteln und Trinkwasser. Zahllose Wasserpumpen sind entweder durch Bomben zerstört oder können wegen Treibstoffmangels nicht betrieben werden.

Humanitäre Organisationen fürchten: Die Hälfte der 25-Millionen-Bevölkerung ist von Hunger bedroht. Bis zu Beginn des Krieges importierte der Jemen 90 Prozent seines Nahrungsmittelbedarfs. Auf diese Achillesferse zielt die von Saudi-Arabien geführte arabische Koalition seit fünf Monaten. Es ist ihre tödlichste Waffe, die sie nun, seit sie Ende Juli die wichtige Hafenstadt Aden eroberte, weit wirkungsvoller einsetzen kann und dies auch will. Die Vertreibung der Huthis aus Aden ist der erste wichtige militärische Erfolg der Koalition in diesem Krieg der reichsten Araber gegen die Ärmsten in ihren Reihen. Die in der nördlichen Provinz Saada konzentrierten Huthis hatten, unterstützt von Anhängern des 2012 gestürzten Präsidenten Ali Abdullah Saleh, vor fast einem Jahr Sanaa erobert und von dort weite Teile des Zentral- und Südjemens bis zur strategisch so wichtigen Stadt Aden unter ihre Kontrolle gebracht.

Riad versucht mithilfe ägyptischer Kriegsschiffe seit April, den Jemen vom Meer her zu blockieren. Nun bereitet die Koalition von Aden aus den Vormarsch Richtung Norden vor und stützt sich dabei erstmals auf eine etwa 3000 Mann starke Bodentruppe, die je zur Hälfte von den VAE und Saudi-Arabien gestellt wird. Hauptstrategie aber ist offenbar, Sanaa auszuhungern und damit die Huthis und Saleh zur Kapitulation zu zwingen. Exilpräsident Hadi hat die Arbeit der Regierungsangestellten in allen Häfen, ausgenommen Aden, gestoppt. Zugleich leitet seine Regierung den gesamten Zivil-Luftverkehr von Sanaa zum Flughafen in Aden um und verstärkt damit die Wirtschaftsblockade drastisch. Denn der Landweg ist wegen des Krieges höchst gefährlich. Sanaa ist total isoliert.

Die Geschäftswelt fürchtet um ihre Existenz. Der Dollarkurs ist dramatisch angestiegen und damit sind auch die Preise für Treibstoff und andere Importwaren explodiert. Waren wie Benzin, Kochgas, Weizen, Reis und andere Nahrungsmitteln sind bedrohlich knapp. Die internationale Gemeinschaft sieht dieser sich dramatisch verschärfenden humanitären Katastrophe tatenlos zu, während sich die USA zur Verstärkung ihrer Waffenlieferungen an die Golfstaaten verpflichten, die die Jemeniten durch ihre Luft- und Seeblockade ins Elend stürzen.