Presseschau

Zur Entwicklung der Arbeitnehmer-Einkommen schreiben die "Stuttgarter Nachrichten": Auf den ersten Blick ist es eine schlechte Nachricht: Die realen Nettoeinkommen sind bei den untersten Gruppen um bis zu 22 Prozent gesunken, bei den Arbeitnehmern insgesamt dagegen nur um 2,5 Prozent

Zur Entwicklung der Arbeitnehmer-Einkommen schreiben die "Stuttgarter Nachrichten": Auf den ersten Blick ist es eine schlechte Nachricht: Die realen Nettoeinkommen sind bei den untersten Gruppen um bis zu 22 Prozent gesunken, bei den Arbeitnehmern insgesamt dagegen nur um 2,5 Prozent. Das wirkt, als seien den Geringverdienern im großen Stil die Löhne gekappt worden, während die übrigen Beschäftigten ihren Besitzstand einigermaßen halten konnten. Tatsächlich aber ist etwas anderes geschehen: Viele, die in der Statistik als Geringverdiener auftauchen, hatten zuvor überhaupt keinen Arbeitsplatz. Sie haben nicht verloren, sondern etwas gewonnen - nämlich einen Job. Einen anderen Blickwinkel nimmt der in Ingolstadt erscheinende "Donaukurier" ein: Na gut: Nicht jeder kann ein Martin Winterkorn sein. Dem VW-Konzernlenker wurden im vergangenen Jahr 9,3 Millionen Euro auf sein Gehaltskonto gebucht. Auch andere deutsche Topmanager haben 2010 wieder besser verdient: Runde 20 Prozent durften sie mehr einschieben als im Krisenjahr 2009 und etwa 35 Prozent mehr als zehn Jahre zuvor. Daneben nimmt sich die Gehaltsentwicklung der "normalen"' Arbeitnehmer - um es einmal zurückhaltend zu formulieren - bescheiden aus. (. . .) Die Zahlen bestätigen einmal mehr, dass das zweite deutsche "Wirtschaftswunder" vor allem der Lohnzurückhaltung der Arbeitnehmer zu verdanken ist. Die "Mittelbayerische Zeitung" aus Regensburg stellt fest: Die deutsche Wirtschaft ist wettbewerbsfähiger geworden, was einen erheblichen Teil der zusätzlichen Jobs heute begründet. Diese Position wurde großteils durch Lohnverzicht der Beschäftigten über die vergangenen zehn Jahre erkauft. Anders gesagt: Heute gibt es in Deutschland mehr Arbeitsplätze, aber man verdient als abhängig Beschäftigter im Schnitt real weniger. Das Wohlstandsniveau ist gegenüber vergleichbaren Ländern gesunken. Die Gewinne der Unternehmen hingegen sind gestiegen. Und auch der "Trierische Volksfreund" meint: Gewiss, die Arbeitsmarktreformen der vergangenen Jahre haben entscheidend dazu beigetragen, dass deutlich mehr Menschen überhaupt wieder zu einer Beschäftigung kamen. Allerdings traten dabei auch Fehlentwicklungen auf, die dringend korrigiert werden müssen.

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