Null Ahnung! Null Probleme?

Mit ihrem Trump-Interview hat die "Bild"-Zeitung einen echten Coup gelandet. Vor allem die Art der Veröffentlichung lässt tiefe Einblicke zu in die Gedankenwelt des künftigen US-Präsidenten. Denn gedruckt worden sind die Sätze offenbar so, wie Trump sie auch gesagt hat - ungeschminkt. Nichts scheint nachträglich neu in nette Worte verpackt worden zu sein, wie es Spitzenpolitiker gerne machen, bevor sie ihre Interviews zur Veröffentlichung freigeben. Genau dieses Impulsive, mit dem Trump durch die Weltpolitik stolpert, ist das Entlarvende an dem Gespräch. Und das Erschreckende. Weniger der Inhalt.

Dass Trump mit Kanzlerin Angela Merkel und ihrer Flüchtlingspolitik keinen Vertrag hat, wusste man schon aus dem US-Wahlkampf. Beide halten nichts voneinander, weshalb die Kanzlerin gestern absichtlich lapidar anmerken ließ, sie habe das Interview "mit Interesse" gelesen. Wobei man schon kritisch fragen kann, warum Merkel ihre Infos immer noch vor allem aus der Zeitung bezieht, statt endlich einen direkten Draht zu Trump und dessen Administration aufzubauen. Es wird Zeit dafür. Auch Trumps negative Einstellung zur Nato ist nicht neu - anders freilich der Umstand, dass sich deutsche Autobauer auf horrende Strafzölle einstellen sollen, wenn sie ihre Fahrzeuge nicht in den USA produzieren. 35 Prozent! Das ist ein echter Trump-Hammer. Schon klingeln die Alarmglocken in der Automobilwirtschaft. Doch eine solche Maßnahme, die auch immense Folgen für die US-Wirtschaft hätte, müsste vom amerikanischen Kongress abgesegnet werden. Eine Mehrheit dafür ist zumindest fraglich.

Diplomatie? Nichts für Trump. Rücksichtnahme? Keine Kategorie für den baldigen US-Präsidenten. Verantwortungsbewusstsein? Falls überhaupt, nur fürs eigene Land. Ahnung? Null. Wenn Trump von 22 Nato-Staaten spricht, es aber in Wahrheit 28 sind. Das alles zusammengenommen ist ein schlimmer Eindruck, denn der künftige "Anführer der freien Welt" hinterlässt. All diejenigen, die nach seiner Wahl gemeint haben, der selbstverliebte Milliardär mit dem extrem großen Ego werde sich im Präsidentenamt positiv verändern, weil sich noch jeder im Weißen Haus verändert hat, haben sich offenkundig geirrt. Trump wird Trump bleiben, unberechenbar und damit womöglich gemeingefährlich.

Es gibt allerdings noch ein Fünkchen Hoffnung, dass eventuell kluge Berater und Mitstreiter Trump ab und zu bremsen. Der designierte US-Außenminister und auch der Verteidigungsminister haben zum Glück ganz anders über Europa und die Nato gesprochen. Deutlich fundierter und um einiges kenntnisreicher. Außerdem gibt es da ja noch die "Parteifreunde" des Republikaners, die ihm manchen Knüppel zwischen die Beine werfen können. Hoffentlich tun sie es auch.