Notizen aus Berlin: AKK; Kuban, Lauterbach und Gysi

Berliner Notizen : AKK-Kritiker mit Lust zur Macht

Tilman Kuban, der Chef der Jungen Union, war in jüngeren Jahren offenbar sehr fußballbegeistert.

In seiner Schulzeit habe er „vor allem gelernt, im Team zu spielen“, sagte Kuban jetzt in einem Interview. Das ist bemerkenswert, wenn man bedenkt, dass der 32-jährige Konservative zu Wochenbeginn im CDU-Vorstand Annegret Kramp-Karrenbauer schwer attackierte. Aber auch dafür lieferte das Interview ein Erklärungsmuster. Auf die Frage, wann er sich zum ersten Mal mächtig gefühlt habe, antwortete Kuban: „Als ich als Schiedsrichter meine erste Rote Karte verteilt habe.“

Die wenigsten Politiker haben ein Kleidungsstück zu ihrem Markenzeichen gemacht. Bei Hans-Dietrich Genscher (FDP) zum Beispiel war es der gelbe Pullunder. Und bei Karl Lauterbach ist es die Fliege. Darauf schwört der SPD-Mann schon seit 1988, als er in den USA Medizin studierte und ihm der Schlips an den Krankenbetten hinderlich war. Nun will Lauterbach der Fliege entsagen. Sie passe einfach nicht mehr in die Zeit.

Gregor Gysi schwört auf Union Berlin. Auch der Weg nach München war dem Linken-Politiker dafür nicht zu weit. Dort sah man ihn am Samstag vor einer Woche mit Fan-Schal und bei bester Laune, obwohl sich die „Eisernen“ – anders als jetzte gegen die Hertha – am Ende knapp geschlagen geben mussten.  In München ging alles friedlich über die Bühne. Und was Gysi genauso freute: „Nach dem Spiel gab’s auch in München Currywurst.“ Da muss der Weißwurstäquator wohl neu vermessen werden.

Nur mit Mühe die Fünf-Prozent-Hürde genommen – die Landtagswahl in Thüringen war für die erfolgsverwöhnten Grünen eine herbe Enttäuschung. Dabei gab es nicht nur Schatten. Denn im Vergleich zur Thüringen-Wahl 2014 konnten die Grünen sogar ein paar tausend Stimmen mehr einfahren. Aber wegen der noch viel stärker gestiegenen Wahlbeteiligung ging der grüne Stimmenanteil trotzdem zurück. Gewonnen und gleichzeitig verloren –  Robert Habeck gab dann auch die Parole aus, „nicht zu sehr in Sack und Asche zu gehen“.