Noch keine Ära Schlingmann

Genau 13 Jahre werden es sein, wenn Dagmar Schlingmanns gestern frisch verlängerter Vertrag mit dem Saarländischen Staatstheater (SST) 2019 endet. Damit schließt die Generalintendantin fast zu jenen Bühnen-Herren auf, deren Namen schon goldumwirkt in den Annalen des Saarbrücker Theaters prangen: Hermann Wedekind und Kurt Josef Schildknecht.

Beide amtierten je 15 Jahre. Und Wedekinds Aufbruchsgeist, seine "Ost-Politik" nach Georgien hin, die Opernjahre mit Dirigent Siegfried Köhler waren ebenso prägend für das Haus wie Schildknechts Bildungs- und Klassikertheater von hohem Anspruch. Doch: Wird man 2019 auch von einer Ära Schlingmann sprechen?

Noch ist das fern. Dabei kann die 53-Jährige seit 2006 Beachtliches vorweisen. Zuletzt die frist- und kostengerecht gemeisterte Sanierung der Bühnentechnik. Die dadurch nötige Außer-Haus-Spielzeit war gar ein Renner. Die Kooperationsprojekte des SST sind fast unübersehbar. Dank Ex-Ballettchefin Marguerite Donlon war das Ballett bis dato ein Publikumsmagnet; auch das Musiktheater glänzt. Viel, viel Positives also. Und so war es erwartbar, konsequent und richtig, dass der SST-Aufsichtsrat mit Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) an der Spitze nun den Vertrag fortgeschrieben hat. Nimmt man noch die 15 Millionen Euro hinzu, die das Land in die Sanierung des Großen Hauses steckte, und vertraut darauf, dass mit der Vertragsverlängerung auch die Landesgelder für die Bühne - zumindest vorerst - unangetastet bleiben, wird aus der Personal- sogar eine Grundsatzentscheidung pro Kultur im Saarland.

Nicht ausblenden darf man jedoch, dass sich nun auch die Machtfrau Schlingmann durchgesetzt hat. Vor allem gegen Marguerite Donlon. Gegen die hat Schlingmann das Dreispartenhaus mit einer über allem thronenden Intendantin verteidigt: ein Triumph des Bewährten über das Experiment autonomer Sparten. Ob das auch auf Dauer gut bleibt? Und wer auf ihre Bilanz schaut, dem muss klar sein: Schlingmann wird in den nächsten fünf Jahren das Theater hier nicht neu erfinden. Sie will Begonnenes fortsetzen, zur Blüte bringen. Ja, auch das kann spannend sein. Schon, weil Schlingmann ein frisches Leitungsteam um sich sammelt. In der eigentlichen Schlingmann-Domäne aber, dem Schauspiel, überrascht das SST am wenigsten. Manche Regieteams haben sich quasi als Stammgäste eingenistet. Und ein Theater, das sich einmischt, das Ausgang und Zentrum einer Debatte sein will: Das hat man unter Schlingmann bisher auch nicht erlebt. Genau da darf man aber vom Staatstheater als der Kulturinstitution des Landes und seiner Chefin mehr erwarten. Und dann könnte es auch was werden - mit der Ära Schlingmann.

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