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Nackenschlag für die grüne „Moralkeule“

Nackenschlag für die grüne „Moralkeule“

Nach gut zwei Jahrzehnten endet im nächsten Jahr die Bundestagskarriere des umstrittenen Grünen-Politikers Volker Beck - und zwar mit einem Paukenschlag von der Parteibasis. Eigentlich wollte der 55-Jährige 2017 für weitere vier Jahre in die Verlängerung. Doch da spielte sein Landesverband nicht mit: In einer Kampfkandidatur gegen den renommierten Grünen-Agrarpolitiker Friedrich Ostendorff stattete die Basis Becks Herausforderer am Wochenende in Oberhausen mit fast dreimal so vielen Stimmen aus.

Beim Ringen um Platz zwölf der Landesliste - einen der letzten aussichtsreichen - hatte Beck auf Vorwärtsverteidigung gesetzt. "Ihr wisst, ich bin manchmal eine Nervensäge", sagte er in seiner Kandidatenrede. Dennoch wolle er mit "meiner Hartnäckigkeit und Ungeduld, aber auch mit meinen Fehlern um Euer Vertrauen bitten". Doch davon hatte der streitbare Kölner offensichtlich schon zu viel verspielt.

Seine Angreifbarkeit in der Aufarbeitung der Pädophilie-Debatte aus den frühen Jahren der Grünen hat viele in der Partei verärgert. Dann kam noch ein Drogenfund im März hinzu. Klare Distanzierungen, Entschuldigungen und wegen "geringer Schuld" beendete Verfahren konnten die Negativ-Schlagzeilen nicht vergessen machen.

Einen Tag nach der Klatsche gab es zum Abschluss der Listenwahlen immerhin eine versöhnliche Geste. Die Delegierten erhoben sich und spendeten im Stehen Applaus für den bald zwangsweise scheidenden Abgeordneten. Dass er bei der Wahl scheitern würde, hatten Insider vorhergesehen. Er überhörte aber entsprechende Signale offenbar, hieß es aus Reihen der Delegierten. Dabei gibt es durchaus einflussreiche gesellschaftliche Kräfte, die große Stücke auf Beck halten. Schon im Frühjahr hatten prominente Unterstützer an die Partei appelliert, ihn wieder für den Bundestag zu nominieren. Dazu zählten etwa Gewerkschaftsboss Frank Bsirske und der Präsident des Zentralrats der Juden, Josef Schuster.

Beck hatte - wenigstens nach außen - nie ein Problem damit, mit seinem Einsatz für Minderheiten zu nerven - den politischen Gegner oder die eigenen Reihen. In seinem Bewerbungsschreiben an den Parteitag formulierte er das als eigene Stärke: "Ihr kennt mich: Einknicken und Aufgeben ist nicht mein Ding."

Inhaltlich geben ihm die Grünen uneingeschränkt recht, wenn er unermüdlich gegen Diskriminierung, für die Ehe für alle oder die Entschädigung der Opfer des "Schwulenparagrafen" 175 kämpft. Trotzdem verdreht der eine oder andere schon mal die Augen, wenn er auf Beck angesprochen wird, und murmelt etwas von "Moralkeule".

Auch mit seinen offenen Auseinandersetzungen mit den Realos der Partei hat Beck sich nicht überall Freunde gemacht. Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann mahnte jüngst auf dem Parteitag, es mit der "Political Correctness" nicht zu übertreiben. Doch klein beigeben will das politische Aushängeschild der deutschen Homosexuellen- und Queer-Bewegung nicht: "Die AfD hat gestern Abend gepostet: Volker Beck ist weg", berichtete Beck den Delegierten am Samstag. "Den Gefallen werde ich ihnen nicht tun - niemals. Darauf können Sie sich verlassen."