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Museums-Pavillon: Wie eine Kultur- zur Stilfrage wird

Museums-Pavillon: Wie eine Kultur- zur Stilfrage wird

Saarbrücken. Der 7. August 2009 könnte ein Festtag sein: Spatenstich für den Erweiterungsbau der Saarbrücker Modernen Galerie, den "krönenden" Schlussstein der von der CDU-Regierung vorangetriebenen Neuordnung der Museumslandschaft. Doch das Projekt ist längst zum Image-Rohrkrepierer geworden und hat jedwede Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte mitgerissen

Saarbrücken. Der 7. August 2009 könnte ein Festtag sein: Spatenstich für den Erweiterungsbau der Saarbrücker Modernen Galerie, den "krönenden" Schlussstein der von der CDU-Regierung vorangetriebenen Neuordnung der Museumslandschaft. Doch das Projekt ist längst zum Image-Rohrkrepierer geworden und hat jedwede Sachlichkeit in der öffentlichen Debatte mitgerissen. Wie auch nicht? Bei Bürgern, die die Details nicht kennen, muss das, was sich seit 2007 abspielt, als Pleiten-, Pech- und Pannen-Szenario ankommen.Der Stolper-Parcours startete mit einem fehlerhaften Jury-Votum im Architektenwettbewerb. Es folgten: Kippen des Siegerentwurfs, Anwohner-Proteste gegen den vermeintlichen "Monsterbau", Gezerre von Stadt (SPD) und Land (CDU) um Grundstücke, ein Kommunikations-Desaster zwischen Stadträten und der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz, schließlich ein Schnellschuss-Baubeginn und eine vom Landtag noch nicht beschlossene, also wacklige Finanzierung. Sind Dilettanten am Werk oder gar "Gutsherren"? Schaut man sich das Strickmuster an, erkennt man die burschikose Handschrift von Ex- Kultusminister Jürgen Schreier, dem Vater des Projektes. Er gilt als Ad-hoc-Entscheider, der Gegenwind sät und aushält. Dieser forsche Politikstil ("Ich bin ein Gestalter") pauste sich ganz offensichtlich auf sein Lieblings-Projekt durch. Dem politischen Gegner lieferte man dadurch eine köstlich angerichtete Schlachtplatte. Dies erklärt, warum alle Parteien - obwohl bis auf die Grünen "grundsätzliche" Befürworter der Erweiterung - auf jedes Problemchen mit derart polemischen Geschrei reagieren. Am lautesten rasselt SPD-Spitzenkandidat Heiko Maas mit den Säbeln, drohte schon mal mit Bau-Stopp. Wohl wissend, dass er, sollte er Ministerpräsident werden und, wie angekündigt, auch das Kulturressort übernehmen, eine Bauruine 4. Pavillon eine Lachnummer mit Tendenz zum Skandal wäre. Konventionalstrafen drohten, das Geld für Honorare und Wettbewerb (750 000 Euro) wäre verbrannt.

Jawohl, die Müller-Regierung hat Fakten geschaffen. Für die Museums-Landschaft ist dies ein Segen. Sie erhält keinen "Prachtbau", sondern wird für die Zukunft ertüchtigt. Der Baubeginn könnte zudem ein Signal sein für ein auffrischendes Klima im Land. "Wir machen's"? - Nur zu. Es wird Zeit für eine Abkehr vom Zerkneten und Zerreden von Großprojekten. Denn dabei nehmen auch Personen Schaden. Auf Stiftungsvorstand Ralph Melcher beispielsweise wurde von Stadträten und Anwohnern zur Jagd geblasen. Melcher ist sicher kein Kommunikations-Genie, aber ein überdurchschnittlicher Stiftungs-Chef. Seit 2004 hat er die Besucherzahlen verdoppelt, den Publikumsmagneten Schlosskirche eingerichtet, das Gesamtbild der Museen verjüngt und ihre Struktur modernisiert. Diese Leistungen werden ausgeblendet, stattdessen wird sein persönliches Verhalten seziert und teilweise denunziert: Wann hat er wem auf die Füße getreten? Der 4. Pavillon - degradiert von der Kultur- zur Stilfrage.

Und überall erhitzte Gemüter, Stimmung statt Argumenten, Verdächtigungen statt Fakten. Diese Emotionalisierung ist eine Hypothek, wenn die Regierungsfarben wechseln. Melchers Vertrauens-Verhältnis zu Maas dürfte beschädigt sein. Die Schutztruppe des Museumschefs war die CDU-Regierung, die ihn geholt hat. Nicht auszuschließen, dass Melcher den verwüsteten Kampfplatz verlässt. Selbst dann, wenn eine neue Regierung das realpolitisch Notwendige tun wird: den 4. Pavillon weiterbauen.