Münchner Chaos-Tandem

Es sollte alles besser werden nach dem Ende der Ära Stoiber. Die CSU freute sich auf mehr Teamarbeit unter dem neuen "Tandem" bestehend aus Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber. Die Bürger hofften auf ein Ende des rigiden Sparkurses

Es sollte alles besser werden nach dem Ende der Ära Stoiber. Die CSU freute sich auf mehr Teamarbeit unter dem neuen "Tandem" bestehend aus Ministerpräsident Günther Beckstein und Parteichef Erwin Huber. Die Bürger hofften auf ein Ende des rigiden Sparkurses. Doch ein halbes Jahr nach dem Personalwechsel herrscht in der CSU Katerstimmung, das Volk wird immer mürrischer, und die Laune der Opposition steigt: Das Führungs-Duo rumpelt von einem Schlagloch ins nächste.Die Kette von Pleiten, Pech und Pannen begann mit der Schlappe bei der Kommunalwahl am 2. März, es folgte hektische Betriebsamkeit in Sachen Nichtraucherschutz. Dabei gelang es Huber, Beckstein und Fraktionschef Georg Schmid tatsächlich, die mit dem bisherigen strengen Gesetz zufriedenen Nichtraucher zu verprellen - ohne die Raucher zu beruhigen. Die meisten anderen Probleme, von den Turbulenzen der Landesbank über den Transrapid-Flop bis zum Ärger mit dem achtjährigen Gymnasium, hat die neue CSU-Führung freilich von der Vorgängerregierung übernommen. Doch den Ärger auf Edmund Stoiber abzuschieben, verbieten die Parteidisziplin und die Achtung vor den verbliebenen Anhängern des CSU-Ehrenvorsitzenden. Dieser hatte es übrigens meisterhaft verstanden, Pfusch und Fehlschläge durch immer neue Initiativen, strahlende Zukunftsprogramme und Visionen zu überspielen. Eine Kunst, die offenbar weder Beckstein noch Huber beherrschen. Noch verheerender wirkt sich jedoch aus, dass alles, was die beiden jetzt auf den Weg bringen, wie durchsichtige Wahlkampf-Taktik wirkt.Mehr als Beckstein steht derzeit Parteichef Huber unter Druck. Seine Popularitätswerte sind stark verbesserungsbedürftig, überdies schleppt er nun wegen des Desasters bei der Bayern-LB einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss mit in den Landtagswahlkampf. Das gestern eingesetzte Gremium soll klären, ob Huber das Parlament in dieser Sache mit Un- oder Halbwahrheiten bediente. Fürs erste konnten Beckstein und Huber diese Woche zwar ihre Landtagsfraktion beruhigen. Und auch die medial geschürten Gerüchte über Putschpläne der Parteifreunde Stoiber, Seehofer und Söder wurden pflichtgemäß dementiert. Doch der nächste Krawalltermin steht womöglich schon bevor. In einer Klausur will der CSU-Vorstand ab heute darüber beraten, wie die Landtagswahl am 28. September noch zu retten ist. Das Treffen findet dort statt, wo Beckstein und Huber vor mehr als einem Jahr das Ende der Ära Stoiber herbeiführten: in Wildbad Kreuth. Auch der Ex-Regierungschef wird wieder dabei sein...