Mit Erdogan reden, aber . . .

Die Türkei verlangt für ihre Kooperation mit der EU in der Flüchtlingsfrage eine ganze Reihe von Gegenleistungen. Teilweise sind diese sehr gut nachvollziehbar, doch in einigen Bereichen sollten sich die EU bei ihrem Gipfel heute in Brüssel und Bundeskanzlerin Angela Merkel bei ihrem Besuch in Istanbul am kommenden Sonntag mit Zusagen zurückhalten.

Die Interessen der Europäischen Union und der Türkei sind keineswegs deckungsgleich.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan fordert von Europa die Beteiligung an einer "gemeinsamen" Haltung gegenüber dem Flüchtlingsproblem und den Fluchtursachen im Bürgerkriegsland Syrien. Dazu gehört aus türkischer Sicht eine kräftige finanzielle Unterstützung aus Brüssel - Ankara hat für die Versorgung der Flüchtlinge nach eigenen Angaben bisher bereits rund 6,6 Milliarden Euro ausgegeben.

Das bisherige Angebot der EU von Hilfen in Höhe von bis zu einer Milliarde Euro lehnt Ankara ab, da das Geld teilweise aus Mitteln kommen soll, die eigentlich für den türkischen EU-Beitrittsprozess vorgesehen waren. In diesem Punkt sollte die EU nicht versuchen, mit Taschenspielertricks billig davonzukommen. Denn sie braucht das Vertrauen der Türkei, wenn diese die Massenwanderung von Syrern über ihr Staatsgebiet nach Europa einschränken soll. Die Zusammenarbeit mit Ankara wird für die EU teuer, das sollte jedem klar sein. Doch die Alternativen wären wohl noch kostspieliger.

Nicht ganz verschließen kann sich die EU Forderungen nach Reiseerleichterungen für Türken in europäische Ländern. Weiter verlangt Ankara aber Unterstützung für das Projekt einer Schutzzone im Norden Syriens. Ankara wirbt mit dem Vorhaben zum Bau von drei Containersiedlungen für insgesamt 300 000 rückkehrwillige syrische Flüchtlinge, die so sicher in ihrem eigenen Land angesiedelt werden könnten. Doch der Plan ist völkerrechtlich und militärisch sehr umstritten. Die russische Militärhilfe für die syrische Regierung erschwert die Einrichtung der Zone zusätzlich.

Ankara verfolgt in Syrien das Doppelziel, den von Russland gestützten Präsidenten Baschar al-Assad zu stürzen und eine Ausweitung der kurdischen Autonomie in Nord-Syrien zu verhindern. Für die Europäer geht es dagegen darum, den Krieg in Syrien zu beenden und so den Flüchtlingsstrom zu stoppen.

Europa sollte sich deshalb nicht ohne weiteres auf die türkische Forderung nach einer Sicherheitszone in Syrien einlassen. Ein solches Projekt könnte den Krieg in der Region eher verlängern als abkürzen. Ankara dürfte dennoch weiter darauf beharren. Der Syrien-Konflikt wird damit immer mehr zu einem Härtetest für die europäisch-türkische Zusammenarbeit.