Messe muss sich selbst helfen

Meinung · Alles super. Der Messeplatz Saarbrücken sei im Aufwind. 2008 werde ein gutes Messejahr. Mehr Besucher als in der Vergangenheit schon bei den ersten beiden Messen des Jahres, dem Reisemarkt und dem Autofrühling, frohlockte Saarmesse-Geschäftsführerin Mechthild Grandmontagne im April

Alles super. Der Messeplatz Saarbrücken sei im Aufwind. 2008 werde ein gutes Messejahr. Mehr Besucher als in der Vergangenheit schon bei den ersten beiden Messen des Jahres, dem Reisemarkt und dem Autofrühling, frohlockte Saarmesse-Geschäftsführerin Mechthild Grandmontagne im April. Fünf Monate später sieht ihr Bruder Eric Grandmontagne, ebenfalls Messegeschäftsführer, die Saarmesse in ernsthaften Schwierigkeiten. Jedenfalls für den Fall, dass die Landeshauptstadt, der das Gelände gehört, auf dem die Grandmontagnes Geschäfte machen, nicht auf ihre Umsatzbeteiligung von 300000 bis 400000 Euro verzichtet.Besucherzahlen sind nicht alles, heißt es jetzt. Denn viele Besucher bringen zwar viel Umsatz, die Messe muss aber auch mehr Geld investieren, um den gestiegenen Ansprüchen dieser Besucher und der Aussteller gerecht zu werden. Und das meiste Geld, das eine Messe in die Stadt und ins Land bringt, landet nicht bei der Messegesellschaft, sondern bei Hoteliers, Gastronomen und Messebaufirmen.Eine Messe ist also ein Wirtschaftsfaktor. Deshalb braucht das Saarland eine starke Messegesellschaft. Und genau hier liegt das Problem. Wirklich kreativ war die Saarbrücker Messeleitung in den vergangenen Jahren nicht. Sie hat zwar ihr Angebot an Verbrauchermessen verbessert. Aber eben die sind ja nicht das lukrative Geschäft, das eine Messegesellschaft zum Überleben braucht. Dazu müssten die Grandmontagnes überregional beachtete Fachmessen organisieren. Genau in diesem Punkt eiert Eric Grandmontagne aber herum. Um ein Fachmesseprogramm aufzubauen, bräuchte man Partner, sagte er gestern. Diese Partner zu finden, sollte in einem Land, dessen Universität und Fachhochschule zu den ersten Adressen in Sachen Informatik zählen, in dem führende Nanotechnik-Unternehmen sitzen und weltweit beachtet an so genannter künstlicher Intelligenz geforscht wird, kein unlösbares Problem sein. Anstatt mit Hochdruck an diesen neuen Einnahmemöglichkeiten zu arbeiten, konzentriert sich die Messeleitung offenbar gerade darauf, ihre Ausgaben zu senken - auf Kosten der Stadt, also auf Kosten der Steuerzahler. Die private Messegesellschaft gibt sich überzeugt, dass sie die Stadt durch den Messevertrag dazu zwingen kann, auf Einnahmen zu verzichten. Die Stadt soll also am Misserfolg eines Unternehmens beteiligt werden, ohne in dieser Firma ein Mitspracherecht zu haben. Der Vertrag, der das regelt, sollte dringend überarbeitet werden. Sonst kann es passieren, dass Saarbrücken 2019, wenn der Vertrag ausläuft, keine starke Messe mehr hat.

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