Merz und Kramp-Karrenbauer üben in Eslohe den Schulterschluss

AKK und Merz treten gemeinsam auf : CDU-Rivalen üben den Schulterschluss

Eslohe wirbt mit Ruhe, Erholung und sauberer Luft. Die kleine Gemeinde mit ihren 8992 Einwohnern liegt inmitten des Naturparks Sauerland-Rothaargebirge. Hier kann man die Seele baumeln lassen. Doch an diesem Freitagabend ist es mit der Beschaulichkeit vorbei.

Die Bundespolitik hält in Eslohe Einzug. Es wird voll in der örtlichen Schützenhalle. 650 Besucher werden mindestens erwartet, wenn zum ersten Mal nach dem Hamburger Parteitag im Dezember sowohl die neue CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer als auch ihr damaliger Gegenkandidat Friedrich Merz auf einer Veranstaltung sprechen werden. Ausgerechnet in Eslohe, im Sauerland, wo Merz seine politische Heimat hat.

Es geht offiziell darum, den NRW-Spitzenkandidaten der CDU für die Europawahl, Peter Liese, zu unterstüzten. Die hiesige CDU spricht von einem „besonderen Höhepunkt“. In normalen Zeiten wäre das nicht der Fall. Aber für die Union sind die Zeiten immer noch nicht normal. AKK hat die Partei zwar versöhnt, selbst die ehedem so kritischen Baden-Württemberger und Merz-Anhänger haben ihren Frieden mit der Saarländerin gemacht. Trotzdem ist die Sehnsucht nach dem „wichtigen Kopf“ Merz in einer führenden Position geblieben. Auch wenn sie längst nicht mehr so laut artikuliert wird wie direkt nach dem Dezember-Parteitag. Zahlreiche Gerüchte und Spekulationen wabern daher durch Berlin. Stets geht es um die Zukunft der beiden Ex-Rivalen.

So heißt es, Merz könnte nach der Europawahl den massiv in die Kritik geratenen Wirtschaftsminister Peter Altmaier ablösen, der dann nach Brüssel wechsele, eventuell als EU-Kommissar. Die Kanzlerin werde schon mitmachen, und zwar aus „Parteiräson“. Viele halten das aber für abwegig, weil Merkel und Merz wie Feuer und Wasser sind. Andere wiederum meinen, Merz sei auf alle Fälle für ein künftiges AKK-Kabinett gesetzt. Schließlich habe seinerzeit fast jeder zweite Delegierte den Finanzexperten gewählt, und nur so lasse sich der innerparteiliche Riss tatsächlich kitten. Auch hält sich hartnäckig das Gerücht, Merz strebe bereits die Spitzenkandidatur der CDU in NRW bei der nächsten Bundestagswahl an. Was wirklich geplant ist, kann keiner sagen, denn die, um die es geht, schweigen oder begnügen sich mit nebulösen Andeutungen.

Mit Bestimmtheit lässt sich nur festhalten, dass Kramp-Karrenbauer weiß, dass es ihr nützt, ein gutes Verhältnis zu Merz zu haben. Beide kennen die medialen Mechanismen. Der gemeinsame Auftritt in Eslohe kann daher als bewusstes Signal interpretiert werden – man schreitet inzwischen Seit an Seit. Enger, als viele bisher angenommen haben. Dass Merz gerne Minister werden würde, hat er selbst gesagt. Dass er dabei nicht gerade an einen Job unter Merkel denkt, ebenso. Inzwischen pflegen er und AKK einen engen Austausch. Schon wird von „einem guten Verhältnis“ in Parteikreisen geredet. „Wir diskutieren das aber nicht im Präsidium“, so jemand aus dem Führungszirkel.

Merz will inzwischen auch Wahlkampf machen. Das kommt AKK gelegen. Er ist schließlich ein Zugpferd. Und in die Gremienarbeit lässt sich der Finanzfachmann nun doch einbinden. So möchte er Vizepräsident des CDU-Wirtschaftsrates werden. Wenn die Auguren Recht haben, gibt es längst eine Vereinbarung zwischen ihm und Kramp-Karrenbauer für die Nach-Merkel-Zeit. Wann die freilich beginnt, wissen beide vermutlich auch noch nicht. Oder doch? Vielleicht erfährt man mehr dazu in Eslohe.