Kontrolle und Vertrauen

Ein Doktortitel schmückt den Lebenslauf, er soll Seriosität, Kompetenz und Leistungswillen beweisen - Eigenschaften, die auch im Politikbetrieb nicht schaden. Wer den Dr. erwirbt, macht das in vielen Fällen indes nicht nur, um der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen, sondern auch fürs Ego oder seine Jobchancen. Das ist legitim, solange dabei die Regeln der Wissenschaft befolgt werden

Ein Doktortitel schmückt den Lebenslauf, er soll Seriosität, Kompetenz und Leistungswillen beweisen - Eigenschaften, die auch im Politikbetrieb nicht schaden. Wer den Dr. erwirbt, macht das in vielen Fällen indes nicht nur, um der Wissenschaft einen Dienst zu erweisen, sondern auch fürs Ego oder seine Jobchancen. Das ist legitim, solange dabei die Regeln der Wissenschaft befolgt werden.Womit wir bei Jorgo Chatzimarkakis wären. Er ist ein intelligenter Kopf. Man hört ihm in Talkshows gerne zu, weil er schnell zum Punkt kommt - zumindest, solange es nicht um seine eigenen Schwächen geht. In der Debatte über seine Dissertation zündete er nämlich immer wieder Nebelkerzen: Das nachlässige Zitieren will er in Oxford gelernt haben; außerdem habe ihn die Universität Bonn, obwohl sie von den "Methodenschwächen" wusste, "durchgewunken". Es mag populär sein, der Hochschule auf diese Weise eine Teilschuld zuzuschieben - aber es ist auch ungerecht: Ein Doktorand ist seinem Betreuer auf dem Spezialgebiet seiner Dissertation, was Stand von Forschung und Quellen betrifft, durchaus überlegen. Die Vorstellung, dass ein Professor sämtliche wissenschaftliche Literatur kennt und Plagiate sofort erkennen kann, ist daher ziemlich weltfremd. Das muss auch dem sicher gutgläubigen Doktorvater von Chatzimarkakis zugute gehalten werden.

Ist es glaubwürdig, dass Chatzimarkakis nach einem erfolgreichen Studium dachte, es sei in Ordnung, fremde Texte wortwörtlich zu übernehmen, auf Gänsefüßchen aber verzichten zu können? Da sind Zweifel erlaubt. Es gibt nur zwei Möglichkeiten: Entweder Chatzimarkakis wusste, dass er gegen die Regeln verstößt, und hat es trotzdem versucht, damit zum Doktor zu kommen - das wäre dreist. Oder er dachte allen Ernstes, er verhält sich wissenschaftlich korrekt - mit Verlaub, das wäre dumm. Deshalb sollte Chatzimarkakis das Schönreden jetzt lassen.

Die Serie von aberkannten Titeln - erst Karl-Theodor zu Guttenberg, dann Silvana Koch-Mehrin und jetzt Chatzimarkakis - bringt die Hochschulen in Erklärungsnöte. Wenn die Politik jetzt, wie Forschungsministerin Schavan, die angebliche "Titelhuberei" an Unis beklagt, ist das scheinheilig. Schließlich knüpft die Politik (auch im Saarland) die Mittelvergabe an Hochschulen seit Jahren auch an die Zahl der Promotionen. Eine Reform der Anreizstrukturen ist daher nötig, ebenso eine verstärkte Qualitätskontrolle auch mit Hilfe neuer Plagiatssoftware. Bei aller Abschreckung und allem (gesunden) Misstrauen der Professoren wird am Ende jedoch immer die Erkenntnis stehen, dass eine Doktorarbeit ohne Vertrauen des Professors zu seinem akademischen Schützling nicht möglich ist.