Kolumne Berliner Notizen: Von Kauder, Fischer, Gysi und Spahn

Berliner Notizen : Undogmatische und kleine Linke

Von Volker Kauder gibt es ab und an eine Äußerung zur Lage der Christen in der Welt. Ansonsten tritt der frühere Unions-Fraktionschef kaum noch in Erscheinung. Wen wundert’s, vor fast genau einem Jahr wurde er von den eigenen Abgeordneten trotz oder wegen der Unterstützung von Angela Merkel gestürzt.

Kauder ist Anfang September 70 Jahre alt geworden. Jetzt feierte er in Berlin bei einem Italiener nach. Mit dabei: Angela Merkel. Seine Vertraute. Nicht mit dabei: Ralph Brinkhaus. Sein Nachfolger.

Wenn der Vizekanzler a.D. den Kanzler der Reserve trifft, dann geht es um? Genau. Um Joschka Fischer und Robert Habeck. Beide Grüne diskutierten jetzt in Berlin. Einmal wurde Fischer, der erste und bisher einzige grüne Außenminister, laut. „Ich war nie Maoist, nie Trotzkist!“, raunzte er Habeck an. Was er denn gewesen sei, wollte der daraufhin wissen. „Na, Sponti halt“, so Fischer. Laut Duden ist ein Sponti ein Angehöriger einer undogmatischen linksgerichteten Gruppe. Könnte hinkommen.

Gregor Gysi ist politisch kaum noch vernehmbar. Umso lieber plaudert er sich durch die Gazetten und TV-Sendungen. Jetzt wurde er in einer Zeitungskolumne mit dem Titel „Eine Curry mit Gysi“ gefragt, ob man links sein und SUV fahren könne. Gysis Antwort: „Das eine schließt das andere nicht zwingend aus, auch wenn mir gerade kein Linker einfällt, der SUV fährt.“ Er selbst komme sich in so einem Gefährt freilich „ziemlich verloren“ vor. Klar, Gysi ist nur 1,64 Meter groß.

Jens Spahn gehört zu den Aktivposten im Kabinett. Der Gesundheitsminister stellt sich auch sehr geschickt an auf dem Weg zu Höherem. Er entscheidet und hält innerparteilich die Füße still. In dieser Woche wurde der CDU-Mann gefragt, was er an sich selbst ändern würde. Da überlegte Spahn lange, lachte, und meinte dann: „Eigentlich bin ich ganz zufrieden.“ Um nachzuschieben: „Wenn Sie meinen Mann fragen, fällt dem bestimmt was ein.“ Ist ja meistens so in Ehen.

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