Königsklasse muss abspecken

An diesem Sonntag beginnt eine neue Runde des größten Renn-Spektakels der Welt. In Australien startet wie üblich die Formel 1. Doch vieles ist nicht mehr, wie es einmal war. Es gibt eine Fülle neuer Regelungen, prominente Teams - vor allem die Japaner - haben sich aus dem Zirkus verabschiedet, und es gibt die Weltwirtschaftskrise, die auch den schnellsten Sport bis ins Mark getroffen hat

An diesem Sonntag beginnt eine neue Runde des größten Renn-Spektakels der Welt. In Australien startet wie üblich die Formel 1. Doch vieles ist nicht mehr, wie es einmal war. Es gibt eine Fülle neuer Regelungen, prominente Teams - vor allem die Japaner - haben sich aus dem Zirkus verabschiedet, und es gibt die Weltwirtschaftskrise, die auch den schnellsten Sport bis ins Mark getroffen hat. Gleichwohl lassen sich die Fans den Spaß an ihrer Leidenschaft nicht verderben.Vor allem der Ausstieg der Großsponsoren wird die Formel 1 nachhaltig verändern. Die Königsklasse des Motorsports ist plötzlich zu einem Bereich der begrenzten Möglichkeiten geworden: Die Teams müssen Einsparungen von rund 30 Prozent gegenüber dem Etat von 2008 vornehmen. Damit würde rund eine Milliarde Euro weniger als zuvor in den Kreisverkehr investiert. Nächstes Jahr sollen sogar 50 Prozent gegenüber 2008 gekappt werden. Allerdings bleibt angesichts der bisherigen Jahresbudgets von bis zu 300 Millionen noch immer genügend "Sprit" übrig, um die nunmehr profillosen Reifen (Slicks) durchdrehen zu lassen. Max Mosley, der umstrittene Präsident des Automobil-Weltverbandes Fia, denkt sogar an eine Budget-Obergrenze von 50 Millionen Euro. Der rigide Sparkurs soll den Teams und Herstellern das langfristige Überleben in der Welt der Formel 1 ermöglichen. Doch trotz aller Hiobsbotschaften, die den automobilen Jetset über Nacht erreichten: Schwarzmalerei fehlt auf dem Parcours. Mit dem Drosseln der Motoren und der neuen Sparsamkeit kommt eine Art Selbstheilungsprozess in Gang, der überfällig war. Die Formel 1 mit ihrem "Pomp auf Pump" hat seit Jahren über ihre Verhältnisse und an der Wirklichkeit vorbei gelebt. Es ist deshalb richtig und vernünftig, das Wettrüsten zu beenden beziehungsweise zu begrenzen. Zur Erinnerung: Vor 20 Jahren kamen die Teams noch mit zehn Prozent der heutigen Budgets (und ohne technische Beschränkungen) über die Runden. Und der Sport war damals um keinen Deut schlechter. Der Rennsport hat schon manche Krise gemeistert, zum Beispiel die Ölkrise in den Jahren 1973/74, die zur Vollbremsung im Wettkampf der Boliden führte. Die jetzige Wirtschafts- und Finanzkrise greift noch tiefer, sie bringt Zulieferer und Hersteller in Bedrängnis. Wenn die Betroffenen diese Entwicklung als Chance begreifen, könnte am Ende eine abgespeckte Formel 1 stehen, die ihre Faszination dennoch behält. Auch wenn sich an einer Grundsatz-Problematik in Zeiten des dramatischen Klimawandels wenig ändern wird: 70 Liter braucht der Bolide nach wie vor - auf 100 Kilometer.