Kein Krieg, aber harte Töne um die Falkland-Inseln

Kein Krieg, aber harte Töne um die Falkland-Inseln

London. Knapp 30 Jahre nach dem bitteren Falkland Krieg toben heftige Wortgefechte zwischen Großbritannien und Argentinien. Beide Länder werfen sich gegenseitig "Kolonialismus" vor

London. Knapp 30 Jahre nach dem bitteren Falkland Krieg toben heftige Wortgefechte zwischen Großbritannien und Argentinien. Beide Länder werfen sich gegenseitig "Kolonialismus" vor. Im britischen Unterhaus bezeichnete Premierminister David Cameron die argentinische Forderung nach neuen Verhandlungen über die Besitzansprüche an den in Argentinien "Malvinas" genannten Inseln als "eine Art von Kolonialismus". Buenos Aires ignoriere das Selbstbestimmungsrecht der 3000 Bewohner, die sie mit überwältigender Mehrheit mehrmals für den Verbleib in dem britischen "Übersee- Territorium" ausgesprochen hatten. Dies wurde von dem argentinischen Außenminister Hector Timmerman scharf zurückgewiesen, der Großbritannien als "Synonym für den Kolonialismus" bezeichnete. Cameron wiederum versicherte dem Parlament, er habe sich vergewissert, "dass unser Verteidigungssystem für die Inseln in bester Ordnung ist."In Großbritannien herrscht leichte Nervosität, seitdem es Argentinien gelungen ist, bei den lateinamerikanischen Nachbarn Unterstützung für seinen Souveränitätsanspruch zu finden. So beschlossen die Partnerländer des "Mercosur"-Wirtschaftsbündnisses, zu dem neben Argentinien noch Brasilien, Uruguay und Paraguay gehören, im Dezember, dass Schiffe unter der Flagge der Falklands, also der britischen Kolonie, nicht mehr ihre Häfen anlaufen dürfen. Die argentinische Staatspräsidentin Cristina Fernandez nennt die Weigerung Großbritanniens zu Gesprächen über den völkerrechtlichen Status der Inselgruppe "arrogant". Sie wirft den Briten vor, argentinische Bodenschätze in dem Seegebiet um die Inseln zu rauben. Tatsächlich haben britische Unternehmen mit Probebohrungen begonnen, weil um die Falklands reiche Öl- und Erdgaslager vermutet werden.

Die Inselgruppe am Rande der Antarktis wurde 1833 in das britische Imperium einverleibt, als ein britisches Kriegsschiff eine argentinische Garnison vertrieb. Zuvor hatten Portugal, Frankreich, die USA und Spanien kurzzeitig Besitzansprüche, verloren aber schnell das Interesse an den unwirtlichen Inseln. Großbritannien sichert die Inselgruppe durch starke militärische Verbände. Dies ist der Ergebnis der Erfahrungen von vor 30 Jahren. Damals wollte der argentinische Diktator General Galtieri die "Malvinas" wieder mit dem Mutterland vereinen, die Briten hatten gerade mal einen Eisbrecher zum Schutz der Inseln im Einsatz. Margaret Thatcher sandte eine gewaltige Flotte um den Erdball, um "den Pickel am Hintern der Weltgeschichte" zurück zu erobern, wie Ex-US-Außenminister Alexander Haig höhnte. Der Krieg währte 74 Tage und kostete 255 britische und 649 argentinische Soldaten das Leben.

Die argentinische Regierung empfindet es nun als Provokation, dass zum 30. Jahrestag des Krieges Prinz William auf den Falklands als Pilot eines Rettungshubschraubers stationiert wird. Sein Onkel Prinz Andrew flog hier einen Kampfhubschrauber beim Einsatz gegen die argentinischen Invasoren.

Angesichts der massiven Präsenz britischer Streitkräfte wird sich Argentinien wohl nicht wieder auf ein militärisches Abenteuer einlassen. Deshalb hofft Buenos Aires darauf, dass der Druck der lateinamerikanischen Nachbarn auf London die Briten zu Gesprächen über die Zukunft der Falklandinseln erweicht.