Kein Freibrief für neue Sünden

Wohl noch nie wurde so intensiv über die Maya gesprochen wie jetzt. Der Grund: der Kalender dieser ehemaligen Hochkultur in Mittelamerika, der angeblich besagt, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht. So ist es jedenfalls in zahlreichen Medien seit Wochen zu verfolgen. Dabei haben Wissenschaftler schon längst Entwarnung gegeben

Wohl noch nie wurde so intensiv über die Maya gesprochen wie jetzt. Der Grund: der Kalender dieser ehemaligen Hochkultur in Mittelamerika, der angeblich besagt, dass am 21. Dezember 2012 die Welt untergeht. So ist es jedenfalls in zahlreichen Medien seit Wochen zu verfolgen. Dabei haben Wissenschaftler schon längst Entwarnung gegeben. US-Forscher William Saturno beispielsweise ist überzeugt, dass in Guatemala entdeckte Maya-Zeichnungen genau das Gegenteil aussagen: Die Welt wird sich weiter drehen! Ein berechtigter Einwand des Archäologen, der aber sein Ziel verfehlte. Denn der Hype um die Apokalypse setzte sich fort. Wohl so lange, bis am heutigen Freitag auf den Tonga-Inseln im westlichen Pazifik die Sonne zuerst wieder aufgeht. Bis dahin haben findige Geschäftemacher mit ihren Offerten zum Überleben allerdings schon ordentlich abgesahnt.Der Gedanke an das Ende der Welt beschäftigt die Menschen. Aus religiöser Sicht mag es - im weitesten Sinne - der Moment sein, an dem Bilanz gezogen wird. Was war gut? Was war schlecht? Stets verbunden mit dem Gedanken an einen Neuanfang, was den Schluss zulässt, dass die Religionsstifter eine eher pessimistische Sicht auf die Entwicklung der Menschheit gepflegt haben.

Damit lagen sie ja gar nicht falsch. Denn was sich die Krone der Schöpfung alles geleistet hat, muss doch zu einem schlimmen Ende führen. Mord und Totschlag, Kriege, nukleare Katastrophen, die Zerstörung der Umwelt. Eine lange Liste von Verfehlungen - die Welt hätte schon viel früher untergehen müssen. Tat sie aber nicht, was freilich nicht als Freibrief für neue Sünden zu deuten ist.

Dass die Tage der Erde sehr wohl gezählt sind, da sind sich nun die Wissenschaftler einig. Das Ende ist gekommen, wenn sich die Sonne ausdehnen und die Erde regelrecht braten wird. Aber keine Panik: Das wird erst in einer Milliarde Jahren passieren. Viel früher könnte dagegen ein Asteroid unseren Planeten treffen und ein Inferno auslösen. Ein solcher Brocken hat schon die Dinosaurier auf dem Gewissen. "Apophis" heißt der 270 Meter große Klumpen, der sich unserem blauen Planeten Ende des kommenden Jahrzehnts gefährlich nähern wird. Nicht zu vergessen: die schlummernden Supervulkane mit ihren verheerenden Kräften, von denen einer bei Neapel rumort.

Auf jeden Fall steht noch viel Zeit zur Verfügung, um sich weiter mit dem Untergang zu beschäftigen. Ob in Filmen wie "2012" von Roland Emmerich, in Musik und Literatur. Und sicher wird es irgendwann neue Hinweise auf ein finales Ende der Welt geben. Dann aber nicht mehr von den Maya. Bis dahin hat sich herumgesprochen, dass sie den Weltuntergang nicht vorhergesagt haben.