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Katalanen stimmen indirekt über Abspaltung ab

Katalanen stimmen indirekt über Abspaltung ab

Als Spaniens konservativer Regierungschef Mariano Rajoy dieser Tage die abdriftende Region Katalonien besuchte, bekam er hautnah mit, wie geladen die Stimmung ist. "Hau ab", begrüßten ihn Demonstranten, als Rajoy ein Bad in der Menge nehmen wollte.

Sprechchöre mit dem Schlachtruf "Unabhängigkeit, Unabhängigkeit" verfolgten ihn. Rajoy zog es vor, seinen Spaziergang abzubrechen.

Katalonien, wo am Sonntag gewählt und damit indirekt über die Unabhängigkeit abgestimmt wird, ist feindliches Gebiet für Spaniens Konservative. Die Volkspartei, welche die Zentralregierung im 600 Kilometer entfernten Madrid stellt, hat in Katalonien wenig zu melden: Die Umfragen trauen Rajoys Konservativen, die sich gegen eine Abspaltung Kataloniens stemmen, kaum mehr als zehn Prozent zu.

Ungünstige Vorzeichen für jene Wahl, die der katalanische Ministerpräsident Artur Mas zu einem "Plebiszit für die Freiheit und Souveränität Kataloniens" ausrief. Sollte die von Mas angeführte Unabhängigkeitsfront eine klare Mehrheit erringen, wollen die Spanien-Gegner gleich am Tag nach der Wahl den Abspaltungsprozess einleiten. Welcher in einer Frist von "maximal 18 Monaten" in die Gründung eines eigenen Staates münden soll.

Soweit die Theorie. Ob dies in der Praxis gelingt, ist eher fraglich: Spaniens Regierungschef Rajoy kündigte an, dass man jegliche einseitigen Schritte verhindern werde. "Es wird keine Unabhängigkeit geben. Spanien wird nicht auseinanderbrechen." Er werde die Abspaltungserklärung per Gericht stoppen lassen, da in Spaniens Grundgesetz die "unauflösliche Einheit der spanischen Nation" verankert sei.

Die Verfassungsrichter hatten bereits im November 2014 Kataloniens Unabhängigkeitsfahrt gestoppt. Damals suspendierten sie ein katalanisches Referendum über die Abspaltung, weil es ohne die notwendige Erlaubnis der Zentralregierung in Madrid angesetzt worden war. Deswegen griff Kataloniens Ministerpräsident Mas nun zum Trick der vorgezogenen Regionalwahl, bei der es ausschließlich um das Thema Unabhängigkeit geht - und verwandelte sie in eine inoffizielle Volksabstimmung. Meinungsforscher sehen die Abspaltungsbefürworter im Wahlgang am Sonntag klar vorn: Die Liste "Gemeinsam für das Ja" und die noch radikalere Separatismuspartei Cup könnten demzufolge zusammen eine absolute Mehrheit erringen.

Auch Pep Guardiola, der katalanische Trainer von Bayern München, will die Abspaltung seiner Heimat von Spanien. "Es gibt keinen Weg zurück", sagt der 44-Jährige, der in dem Dorf Santpedor, eine Separatistenhochburg nördlich von Barcelona, geboren wurde. Die Unabhängigkeit werde "früher oder später" kommen - und das sei für Katalonien wie für Spanien auch besser so, urteilt Guardiola. Sein Heimatverein, der FC Barcelona , bei dem Guardiola 22 Jahre als Spieler und Trainer unter Vertrag war, ist eine Bastion der Separatisten .

Spaniens Regierung versuchte die katalanischen Fußballfans nun mit der Drohung zu schocken, dass Barça bei einer Abspaltung Kataloniens aus der nationalen Fußball-Liga ausgeschlossen werde. Das wäre wohl das Ende des berühmten "clásicos", des Spitzenduells zwischen den beiden Erzrivalen Barça und Real Madrid . Doch auch für diesen Fall gibt es beim FC Barcelona schon einen Plan: Man will dann bei der französischen Liga anklopfen.