In der Kultur-Stiftung sind die Chaostage vorbei

In der Kultur-Stiftung sind die Chaostage vorbei

Saarbrücken. Es herrscht eine frappierende Ruhe rund um den Vierten Pavillon der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Das Katastrophen-Geschrei der Parteien ist ebenso verstummt wie die Proteste der Bürger, ministerielle Lenkungsgruppen tagen ebenso geräuscharm wie das Kuratorium

Saarbrücken. Es herrscht eine frappierende Ruhe rund um den Vierten Pavillon der Stiftung Saarländischer Kulturbesitz. Das Katastrophen-Geschrei der Parteien ist ebenso verstummt wie die Proteste der Bürger, ministerielle Lenkungsgruppen tagen ebenso geräuscharm wie das Kuratorium. Selbst wenn der Kultusminister ein neues Stiftungsgesetz vorstellt oder den Interims-Vorstand vom Chefsessel schubst - es bleibt still. In letzterem Fall vor allem deshalb, weil eine Zusammenführung der Stiftung mit dem Weltkulturerbe Völklinger Hütte in der Person Meinrad Maria Grewenigs beiden Institutionen geschadet hätte. Statt Kontrast und Belebung Einheits-Brei und Gleichlauf? Lieber nicht, besser anders.Wer will, kann die allgemeine Befriedung dem neuen Kurator Ulrich Commerçon (SPD) gutschreiben. Der Fairness halber wäre jedoch zu erwähnen, dass er zu einem Zeitpunkt die Bühne betrat, als der Aufräum-Prozess durch seinen Vorgänger Stephan Toscani (CDU) bereits in gute, vor allem in transparente Bahnen gelenkt worden war. Freilich: Erst jetzt, unter Commerçon, wirken die Probleme endlich bewältigbar. Das ist der eigentliche, der bedeutende Fortschritt.

So wird auf die Stiftung womöglich eine Phase ohne Chef zukommen. Denn Grewenig zieht sich mit dem Inkraftsetzen des neuen Stiftungsgesetzes zurück, noch ehe sein Nachfolger im Amt sein dürfte. Neue Chaostage scheinen trotzdem ausgeschlossen. Denn Personal- und Finanz-Angelegenheiten oblagen sowieso nicht Grewenig, sondern dessen kaufmännischem Kollegen Bernd Therre (CDU). Ihn wird man wohl bitten, die Geschäfte vorübergehend weiterzuführen.

Das Ausstellungs-Feld ist ebenfalls bestellt, die Vorhaben bis zum Ende des Sommers sind durchgeplant. Zudem wäre zur weiteren Überbrückung das Modell denkbar, dass die Stiftungs-Mitarbeiter das Programm jeweils für ihren Bereich gestalten. Dass es dazu kommt, ist allerdings unwahrscheinlich. Zwar wird der Minister erst Mitte Februar mit dem Kuratorium festlegen, wie das Findungsverfahren und die Ausschreibung für den kunsthistorischen Vorstand aussehen werden, doch der Neue könnte im Turbo-Tempo gefunden sein, weil der Minister bereits sondierend unterwegs war.

Dies alles lässt darauf schließen, dass die Wiedereröffnung des Museums nicht für eine Zäsur genutzt wird, sprich für eine Um- und Neudefinition von Profil und Inhalten des Saarlandmuseums. Es war dies der Vorschlag Grewenigs: statt einer musealen "Galerie der Gegenwart" eine experimentierfreudige "Galerie der Zukunft" zu entwickeln. Diese konzeptionelle Debatte hat der Minister nicht geführt. Keineswegs aus Zeitnot, sondern aus Kalkül: Der neue Mann soll die Inhalte und den Kurs bestimmen. Auch die Stiftungs-Struktur rührt Commerçon nicht an. Ein Konservativer, wohl wahr. Wer verfolgt, wie oft der Sozialdemokrat das Wort "seriös" in Zusammenhang mit dem neuen Museum verwendet, weiß: Er möchte zurück zu den Wurzeln. Zu einer Museumspolitik, die mit in Fachkreisen geschätzten Kapazitäten aufwartet, wie es die einstigen Direktoren Georg W. Költzsch oder Ernst-Gerhard Güse waren - aber auch ein Ralph Melcher, bevor er die Stiftung zum Skandalon machte. Fazit: Commerçon will den Saarländern kein neues, sondern "ihr" Museum wiedergeben.

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