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Im Fall Grewenig verkauft uns die Politik für dumm

Leserbrief Meinrad Maria Grewenig : Luxusversorgung war ausgehandelt

 Wie ist Herr Grewenig eigentlich zu diesem Arbeitsvertrag samt der Luxusversorgung gekommen? Die Politik versucht, uns weiszumachen, dass er sich alles quasi selbst genehmigt hat, und zwar ganz genauso, wie es bei ihr selbst schon immer gute, lange bewährte Praxis ist: Diäten, Zulagen und Pensionen bewilligt man sich per Akklamation, gefragt werden braucht niemand, immerhin werden wir informiert.

Bei Herrn Grewenig liegt die Sache allerdings doch etwas anders: Für mich ist er ein stinknormaler Arbeitnehmer, der seinerzeit bei einem Bewerbungsgespräch seinem zukünftigen Arbeitgeber seine, auch finanziellen, Vorstellungen und Forderungen unterbreitet hat. Dieser hatte alle Möglichkeiten: verhandeln, ablehnen oder zustimmen. Wie man heute weiß, orientierte er sich an der berühmten Fleischereifachverkäuferin: „Darf es etwas mehr sein? (Außerdem ist’s ja nicht meines)“, Unterschrift drunter, Job erledigt. Nach diesem bewährten Muster verfuhr man auch, als Herr Baldauf zu versorgen war. Zwar zu allem fähig, aber trotz intensiver Suche doch nicht zu allem zu gebrauchen, schuf man eigens für ihn, ohne Ausschreibung, den mehr als gut dotierten Posten des kaufmännischen Direktors beim Weltkulturerbe, mit bekanntem, mehr als peinlichem Ende. Für was war dieser Mann eigentlich zuständig, verantwortlich ja wohl nicht? Doch nicht etwa für die Finanzen? Wenn also jemand auf die Titelseite der SZ gehört, mit Namen und Foto, dann sind es die Herrschaften in den diversen Aufsichtsräten, Gremien und Stiftungen. Ihnen gehören Fragen gestellt, von ihnen müssen Antworten eingefordert werden. Zu befürchten haben sie doch nichts, Verantwortung ist schnell übernommen, Regressforderungen gibt’s keine, für die eigene weitere Karriere kann’s höchstens förderlich sein, schließlich schickt sich die politisch Mitverantwortliche für das 40-Millionen-Missverständnis „Vierter Pavillion“ gerade an, Bundeskanzlerin zu werden.