Halleluja!

Viele Millionen Menschen feiern heute die "stille Nacht" und wünschen sich "frohe Weihnachten". Sie erfreuen Freunde und Familie (und sich selbst) mit Geschenken, üppigen Mahlzeiten und berauschenden Getränken, die Frommen gehen in die Kirche und singen "Halleluja!". The same procedere as every year, alle Jahre wieder das gleiche Ritual

Viele Millionen Menschen feiern heute die "stille Nacht" und wünschen sich "frohe Weihnachten". Sie erfreuen Freunde und Familie (und sich selbst) mit Geschenken, üppigen Mahlzeiten und berauschenden Getränken, die Frommen gehen in die Kirche und singen "Halleluja!".The same procedere as every year, alle Jahre wieder das gleiche Ritual. Wobei der Hinweis nicht fehlen darf, dass diese in den kompletten Kommerz abgerutschte Tradition nur noch wenig mit dem eigentlichen Sinn des Christen-Festes zu tun hat. Gewiss, die Menschen halten auch inne, und das ist schon ein Wert an sich. Aber es ist kein Innehalten im eigentlichen Sinne. Denn Kontemplation (besinnliches Nachdenken, in sich gehen) ist ein beschwerlicher Prozess, vor allem wenn damit unangenehme Wahrheiten oder gar persönliche Konsequenzen verbunden sind. Also lässt man es lieber sein und widmet sich der lieben Verwandtschaft, die zu Besuch kommt, oder gleich dem Fernsehprogramm, das an diesen Tagen auf allen Kanälen das Bedürfnis nach Emotion und Zerstreuung befriedigt.

Nicht wenigen Menschen indes bleibt "Oh du fröhliche" im Halse stecken. Ihnen ist nicht zum Feiern zumute, sie sind krank oder einsam, arbeits- oder mittellos. Sicher, zu Weihnachten kümmert man sich, mühen sich karitative Organisationen ernsthaft um Linderung offenkundiger Not. Doch auch gut gemeinte Gesten verdampfen oft wie der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein ohne nachhaltige Wirkung. Denn was die Menschen wirklich brauchen, lässt sich nicht mal eben organisieren: familiäre Atmosphäre, Mamas Plätzchen, Opa im Sessel, strahlende Kinderaugen, emotionale Wärme. Und noch'n Gedicht. An Weihnachten bricht sich die tiefe Sehnsucht nach heiler Welt Bahn, wird das sentimentale Bedürfnis nach "Love and Understanding" übermächtig.

Tja, und da wäre dann noch Gott, der an Weihnachten stets Hochsaison hat. Die Gläubigen lieben das Wiegenfest weit mehr als Ostern mit der tristen Karwoche, kein Wunder. Selbst Zeitgenossen, denen sonst kein Stoßgebet über die Lippen kommt, bevölkern zur Christmette die Kirchen und kosten in dulci jubilo vom mystischen Zauber der Religion. Äußerlich bleiben sie dabei gern cool, und wie's da drinnen aussieht, geht ja keinen was an. Auch sein Gewissen kann man zu Jesu Geburt gut erleichtern, indem man zu lieblichen Klängen einen Schein in den Klingelbeutel steckt oder online an die Welthungerhilfe spendet.

Und wer über diese Riten nun lächelt oder spottet oder gar zetert, der sollte - siehe oben - besser innehalten. Und schweigen. Es sei denn, er oder sie hat eine bessere Idee, wie man sich an diesem Festlichsten aller Feste richtig zu verhalten hat.