Gezähmt im Wildbad

So unspektakulär verlief die Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Wildbad Kreuth selten. Weder Kanzlerkandidatenkür noch Königssturz, weder Stänkern gegen die Schwesterpartei noch interner Streit wurden geboten. Und das ausgerechnet unter einem Vorsitzenden, der Harmonie und Geschlossenheit nicht zur höchsten Tugend erhebt

So unspektakulär verlief die Winterklausur der CSU-Landesgruppe im Bundestag in Wildbad Kreuth selten. Weder Kanzlerkandidatenkür noch Königssturz, weder Stänkern gegen die Schwesterpartei noch interner Streit wurden geboten. Und das ausgerechnet unter einem Vorsitzenden, der Harmonie und Geschlossenheit nicht zur höchsten Tugend erhebt. Der neue CSU-Chef Horst Seehofer wollte es zu Beginn des Superwahljahres mit Konfliktfreude nicht übertreiben. Gleich zu Beginn nahm er Sprengstoff aus der Tagung, indem er den Landesgruppenvorsitzenden Peter Ramsauer wie selbstverständlich zum Spitzenkandidaten für die Bundestagswahl erklärte.Nicht einmal gegen die Schwesterpartei CDU und Kanzlerin Angela Merkel wurde diesmal in Kreuth gestichelt. Dergleichen Mahnungen aus den Tegernseer Bergen gehören eigentlich zum erprobten Repertoire der Kreuther Klausur. Deren Mythos wurde bekanntlich 1976 begründet, als Franz Josef Strauß die - nie vollzogene - Trennung von der CDU verkündete. "Rumpeln muss es", bekannte auch der frühere CSU-Chef Erwin Huber. Sein Nachfolger Seehofer zog die Samthandschuhe an. Er konnte es sich erlauben, denn die CSU hatte schon am Sonntag vor der Klausur der Schwesterpartei abgerungen, dass die Union mit der Forderung nach Steuersenkungen in die Verhandlungen mit der SPD zum Konjunkturpaket zwei geht. Und schnell war klar, was am Freitag amtlich wurde: Dass auch die SPD den Steuersenkungen zustimmt und damit die CSU als kleinste Partei in der Regierung ihr über Wochen strapaziertes Anliegen durchsetzen konnte. Die CSU genoss das still. Auch von Seehofer war nicht mehr der Ansatz eines kritischen Wortes über die Merkel-CDU zu hören. Große Sprüche klopfen mochte er sowieso nicht, wenn es um die Wahlziele seiner Partei bei der Wahl des Europa- und des Bundesparlaments geht. Aus gutem Grund. Er wäre schon erleichtert, wenn die CSU bei der Europawahl bundesweit die Fünf-Prozent-Hürde überspringt. Eines machte die CSU bei allen Nettigkeiten aber klar: Für die Wiederauflage der großen Koalition in der Bundeshauptstadt wollen sich die Bayern nicht ins Zeug legen. Einen Tag vor der CDU sprachen sich die Christsozialen unmissverständlich für ein schwarz-gelbes Regierungsbündnis nach der Bundestagswahl im September aus. Die Gründe dafür liegen auf der Hand: Derzeit werden die Bayern rein rechnerisch zum Regieren gar nicht gebraucht. In einer kleinen Koalition würde ihr Gewicht wachsen. Und die Klausurtagungen von Kreuth würden vielleicht wieder etwas wilder.