Gesucht: Mister Industriekultur

Es kreißten die Berge, um eine Broschüre zu gebären? Jahre hat es gedauert, bis die Initiative Saarländische Bergbaustraße zu Potte kam. Nun ist es soweit. In der Tourismuszentrale Saar wird bald ein weiteres Heftchen ausliegen.

Es soll animieren zum "Entdecken, erinnern, erleben: Wandeln Sie auf den faszinierenden Spuren des Bergbaus an der Saar" - dabei sind Touristen gar nicht die zentrale Zielgruppe der Bergbau-Erinnerungskultur.

Von Anfang an hatte das für Industriekultur zuständige Wirtschaftsministerium einen erfreulich nüchternen Blick auf das Projekt "Bergbaustraße", eine Unternehmung, die wahrlich nicht für Massen-Wallfahrten sorgen wird. Dass es gelungen ist, sowohl die Heimatmuseen als auch die Bergmannsvereine fest einzubinden, zählt ebenfalls zu den positiven Aspekten in diesem Zusammenhang. Sollen wir uns aber damit nun bescheiden? War's das mit der Industriekultur Saar, die doch zu Zeiten der CDU-Alleinregierung als Motor des Strukturwandels gepriesen wurde? Es wäre jämmerlich - und sträflich. Das Saarland hat mehr drauf.

Selbstverständlich gilt: Das Völklinger Märchen von millionenfachen EU- und Bundesgeld-Sterntalern wird sich für ein Bergbau-Denkmal nicht wiederholen. Bessere Saarlandwerbung gibt es kaum: Die Alte Hütte schaffte es erst kürzlich im "Stern" unter die 50 Traumziele in Deutschland. Das ist nicht zuletzt das Verdienst einer cleveren, auch dreisten Marketing-Strategie des Weltkulturerbe-Chefs Meinrad Maria Grewenig . Naheliegend, dass er einst als Generalintendant für das gesamte industriekulturelle Erbe des Landes im Gespräch war. Heute ist diese Idee mausetot. Weil mancher Grewenigs populäres Programm in Völklingen als unseriösen Tingeltangel sieht? Aber: Soll man deshalb lieber gar nichts tun?

Das Thema Industrie-Erbe jedenfalls liegt brach, es ist auf der ministeriellen Arbeitsebene versickert. Salopp gesprochen fehlt ein "Mister Industriekultur". Das liegt daran, dass Wirtschaftsministerin Anke Rehlinger (SPD ) die Industriekultur von ihrem dafür engagierten Vorgänger Heiko Maas (SPD ) geerbt und (noch?) nicht für sich entdeckt hat. Sie delegiert. Auch bei Ministerpräsidentin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU ) klafft eine Leerstelle, nachdem sie 2012 die Bergbau-Landesausstellung "Das Erbe" auf die Rampe geschoben hatte. Das Thema hat politisch also keine Stimme, Brisanz erst Recht nicht. Denn die Industriekultur-Uhren ticken enervierend langsam. Die RAG als Eigentümerin fast aller Bergbauflächen im Land gibt in dem Millionenpoker um Grubenwasser und Ewigkeitslasten den Takt vor. Umso dringlicher wäre, dass ihr Gesprächspartner ein Schwergewicht ist - mit klarem Auftrag, Plan und Chuzpe. Was bisher läuft, ist nämlich viel zu kleines Karo.