Geld stinkt nicht

Für alle Freunde und Kunden der Deutschen Bank ist es eine gute Nachricht: Scheich Hamad bin Dschassim aus Katar steigt bei Deutschlands Renommierbank ein und wird gleich größter Anteilseigner. Sollte deshalb jemand die Nase rümpfen, darf er sich mit dem römischen Kaiser Vespasian trösten: Non olet – Geld stinkt nicht.

Hauptsache, es erfüllt den dafür vorgesehenen Zweck.

Das tun die Milliarden aus Katar zweifellos. Sie verbessern die Kernkapitalquote des altehrwürdigen Geldhauses auf ein Niveau, das international akzeptiert wird. Auch andere Ziele lassen sich dann fixer erreichen, ein größerer Puffer für die üppig vorhandenen Rechtsrisiken etwa, oder der Ausbau des Investmentgeschäfts und des boomenden Vermögens-Managements. Und weil die offizielle "Strategie 2015+" der Bank mit professionellem Business-Sprech verbrämt wird, geht der Wermutstropfen unter, dass die neue Kapitalspritze den bisherigen Anteilswert der Streubesitz-Aktionäre schmälert.

Nun lässt sich schwerlich leugnen, dass der Einstieg eines orientalischen Scheichs bei der Deutschen Bank ein durchaus natürlicher Vorgang ist. Die Petrodollars, die im kleinen Wüstenstaat in unfassbarer Menge sprudeln, suchen einen sicheren Hafen und Deutschlands Elitebank gilt als solcher. Indes gibt es stets auch eine zweite Seite der Medaille: Selbst wenn das Geld aus Katar nicht anrüchig ist, einen gewissen Beigeschmack hat der Deal gleichwohl.

Das kleine Katar, das erst 2009 in den deutschen Fokus rückte nach dem (vorübergehenden) Einstieg des Scheichtums bei Porsche, ist seit dem Fifa-Beschluss, die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im Backofen am Golf zu zelebrieren, ein Politikum ersten Ranges. Seither blickt die Weltöffentlichkeit genauer hinter die Glitzerfassade des Emirats, das mit einem Durchschnittseinkommen von 100 000 Dollar zu den reichsten Ländern der Welt zählt. Tatsächlich aber herrschen dort mittelalterliche Verhältnisse mit einem Herrscher-Clan, der die Bodenschätze als persönliches Eigentum betrachtet und sich ein Heer moderner Sklaven aus Indien und Pakistan leistet; mit einem Scharia- und Kafala-System, das dem westlichen Rechtsempfinden Hohn spricht; und mit einer Kismet-Mentalität, in der die Korruption erst gedeiht und dann verniedlicht wird.

Fakt ist aber auch, was man bedauern mag, dass moralische Kategorien in der Welt, in der wir leben, keine echte Bedeutung (mehr) haben. Und dass es den Kunden und Freunden der Deutschen Bank deshalb gleichgültig sein kann, welcher Ankerinvestor mit seinen Profitinteressen künftig im Aufsichtsrat von Deutschlands einziger Universalbank sitzen wird. Non olet. Oder manchmal doch?

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