Geld oder Waffen?

Europas Finanzminister haben gesprochen: "Niemand hat die Absicht, das Bargeld abzuschaffen." Damit könnte die vor allem in Deutschland aufgeflammte Diskussion eigentlich beendet sein. Denn die mögliche Abschaffung des 500-Euro-Scheins ist ebenso wie das Deckeln von Bargeld-Überweisungen Teil eines Konzepts, das die Terror-Finanzierung bekämpfen soll.

Und da macht eine Harmonisierung des europäischen Durcheinanders durchaus Sinn - nicht etwa, um das hohe deutsche Niveau abzuschaffen, sondern um es auch in anderen Ländern durchzusetzen. Dennoch bleiben Zweifel, ob die Wucht der Debatte lediglich auf einer Art Missverständnis oder Irrtum der Bürger beruht.

Bargeld ist nicht nur ein Sinnbild für die Freiheit zu leben, wie man will. Es ist auch eine der letzten Bastionen, die sich dem Zugriff und der Kontrolle staatlicher Organe entziehen. Die helle Empörung macht deshalb auch klar, dass die Eingriffe von Fahndern in den persönlichen Bereich vielen Menschen zu weit gehen. Der Nachdruck, mit dem vor allem französische Behörden nach immer neuen Wegen zu möglichst umfassender Sicherheit suchen, ist zwar verständlich. Nach den Anschlägen 2001 haben die USA nicht anders reagiert. Aber hier wie dort gibt es eben jenen Punkt, an dem die Menschen spüren: Das wollen wir nicht. Daraus entsteht ganz schnell die Angst vor staatlichen wie privaten Institutionen, die am Ende jede Zahlung erfassen, speichern und überprüfen können.

Auch wenn die Debatte um die Zukunft des Bargelds auf verrückte Weise überzogen war, weil es letztlich "nur" um den Kampf gegen Terror gehen sollte: Sie dokumentiert doch eine wachsende Skepsis vor dem Überwachungsstaat, der genau das tut, was seine Gegner wollen: die Freiheit vernichten. Bargeld ist dafür ein Symbol, und zwar eines, das man nicht ungestraft anrührt. Die durch Abhör-Aktionen von Geheimdiensten erschütterte Öffentlichkeit mag zwar verstehen, warum sie künftig bei jedem Flug die komplette persönliche Reise-Biografie abgeben soll. Aber die Menschen sind eben nicht bereit, anderen den Blick darauf zu gestatten, ob man sich beim Bio-Markt oder im Fast-Food-Restaurant ernährt.

Davon ganz abgesehen gibt es begründete Zweifel daran, ob ein Verbot von Bar-Geschäften über 5000 Euro Terroristen wirklich abhält, eine Kalaschnikow zu erwerben. Auf Schwarzmärkten im Balkan sind solche Waffen für 50 bis 100 Euro zu haben. Wirksamer Anti-Terror-Kampf bedeutet, diese Umschlagplätze trockenzulegen und die Nachschubwege nicht zuletzt aus dem arabischen Raum zu blockieren. Stattdessen wurde eine Diskussion über unser Geld vom Zaun gebrochen, die zwangsläufig schiefgehen musste. Bleibt nur zu hoffen, dass die Finanzminister mit ihrer Klarstellung das Feuer ausgetreten haben.

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