Franziskus im Krisengebiet

Papst Franziskus reist erstmals nach Afrika. Auf diesem Kontinent wächst die katholische Kirche noch, und die Hingabe der Gläubigen sucht ihresgleichen. Doch Franziskus wird auch die dunklen Seiten Afrikas erleben.

Er wird in Kenia einen Slum besuchen, in Uganda die Erlebnisse eines Kindersoldaten hören und in der Zentralafrikanischen Republik will er ein Flüchtlingslager besuchen - mitten in einem Krisengebiet.

"Die Reise nach Afrika wollte der Papst unbedingt", sagt Papst-Sprecher Federico Lombardi. Er wolle die Liebe Gottes in einen Kontinent bringen, der von der Kirche dringend gebraucht werde, aber Probleme, Konflikte, Hass und Gewalt erlebe. Mit seiner elften Auslandsreise bleibt der Pontifex seinem Leitgedanken treu, an die Ränder der Kirche zu gehen, arme und oft vergessene Länder zu besuchen. Franziskus ist für seine unkonventionellen Gesten bekannt, aber der geplante Besuch in einem Krisengebiet mit dürftigster Infrastruktur und wackliger Sicherheitslage hat viele überrascht. Die Zentralafrikanische Republik, einem UN-Index zufolge das drittärmste Land der Welt, wird seit 2013 von einem Konflikt erschüttert, bei dem sich muslimische Rebellen und christliche Milizen gegenüberstehen. Tausende wurden getötet, etwa jeder fünfte Bewohner ist vor der Gewalt geflohen.

Der Pontifex hofft, mit seiner Reise etwas zur Befriedung des Landes beitragen zu können. Manche Experten befürchten jedoch, dass der Besuch die Spannungen erneut anheizen könnte. "Extremisten auf beiden Seiten werden in ihrem eigenen Interesse versuchen, ihre Gruppen zu Gewalttaten anzustacheln", sagt der Afrika-Experte Ben Payton.

Erst im Oktober führte ein kleiner Zwischenfall in der Hauptstadt Bangui zu einer neuen Gewaltwelle - 79 Menschen wurden getötet. Den Sicherheitsleuten des Papstes dürfte diese Reiseetappe sicher Schweißperlen auf die Stirn treiben. Denn von gepanzerten Fahrzeugen und anderen Sicherheitsvorkehrungen hält Franziskus wenig. Papst-Sprecher Lombardi sagt, der Papst habe keine Angst und wolle auch in Bangui sein offenes Papamobil nutzen.

Der Papst will den Menschen in Afrika Hoffnung bringen und ihnen nahe sein, vor allem den Armen und Benachteiligten. Daher will er in Kenia, dem ersten Stopp seiner Reise, am Freitag in Nairobi auch das Armenviertel Kangemi besuchen, wo rund 100 000 Menschen auf engstem Raum leben. "Wir hätten uns nie erträumen können, dass der Papst nach Kangemi kommt", sagt Slumbewohner Patrick Kamau. Sein Besuch sei auch ein Signal an viele afrikanische Politiker, die die Armen einfach ignorierten.

In Uganda, der zweiten Etappe, wird der Papst auf den Pfaden seiner Vorgänger wandeln: Wie schon Paul VI. 1969 und später Johannes Paul II. besucht er am Samstag einen Schrein für ugandische Märtyrer. In Namugongo bei Kampala ließ König Mwanga vor 130 Jahren 22 Katholiken und zehn Anglikaner foltern und hinrichten, da sie sich geweigert hatten, dem Christentum abzuschwören. Viele wurden bei lebendigem Leib verbrannt. Franziskus wird dort vor rund 100 000 Gläubigen eine Messe feiern. Später wird er laut Vatikan bei einer Begegnung mit Jugendlichen den Bericht eines früheren Kindersoldaten und auch den von einer HIV-positiven Katholikin anhören.