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Frankreichs Truppe hört jetzt auf ihr Kommando

Frankreichs Truppe hört jetzt auf ihr Kommando

Analyse Die neue französische Verteidigungsministerin Sylvie Goulard hat viel mit ihrer deutschen Amtskollegin gemeinsam. Und sie setzt auf engere Zusammenarbeit.

Mehr als 35 Grad Celsius und heißer Wüstensand: So sah die Kulisse des ersten großen Auftritts für die neue französische Verteidigungsministerin Sylvie Goulard aus. Die 52-Jährige begleitete Frankreichs neuen Präsidenten Emmanuel Macron am Freitag zu einem Truppenbesuch auf dem Stützpunkt Gao im Norden Malis. Der Termin passte gut zu der Europa-Abgeordneten, denn in Gao sind im Rahmen der derzeitigen UN-Mission in dem westafrikanischen Krisen-Staat nicht nur französische, sondern auch deutsche Soldaten stationiert. Und die engere Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Frankreich in Verteidigungsfragen gehört zu den Anliegen von Goulard.

Die Absolventin mehrerer Elite-Hochschulen setzt sich seit Jahren für die deutsch-französischen Beziehungen ein. Im Wahlkampf Emmanuel Macrons, dem sie sich frühzeitig angeschlossen hatte, organisierte sie unter anderem den Besuch des damaligen Kandidaten bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU).

Überhaupt hat Goulard zu Deutschland eine besondere Beziehung: Schon als Kind machte die Ministerin einen Schüleraustausch in Deutschland, was sich noch heute in ihrem fehlerlosen und akzentfreien Deutsch niederschlägt. Als Frankreichs Bildungsministerin Najat Vallaud-Belkacem vor zwei Jahren die Abschaffung der Zwei-Sprachen-Klassen ankündigte, die insbesondere den Deutsch-Unterricht traf, protestierte Goulard deutlich. "Ich hatte das Vorrecht, in den 70er-Jahren in einer staatlichen Schule Deutsch zu lernen", schrieb sie damals in der Zeitung "La Croix". "Ohne die hervorragenden Leistungen meiner Lehrer zu einer Zeit, wo der Elysée-Vertrag noch erst genommen wurde, wäre mein Leben weniger reich gewesen." Ihre Sprachkenntnisse halfen ihr später in ihrer Karriere weiter. So handelte sie beispielsweise als junge Diplomatin für die Rechtsabteilung des französischen Außenministeriums die deutsche Wiedervereinigung im Zwei-Plus-Vier-Vertrag von 1990 mit aus.

Die Tochter einer italienischen Einwandererfamilie spricht auch fließend italienisch und arbeitete als politische Beraterin für den früheren Präsidenten der EU-Kommission und italienischen Ministerpräsidenten Romano Prodi. Mit dem ebenfalls ehemaligen italienischen Regierungschef Mario Monti schrieb Goulard ein Buch über die Demokratie in Europa. "Das ist eine Frau mit Überzeugungen, Charakter und Engagement," zitiert das Magazin "Obs" den Leiter der Asylbehörde Pascal Brice, mit dem Goulard befreundet ist.

Dass die dreifache Mutter als Ministerin im Kabinett Macron sitzen würde, war schon gleich nach dem Wahlsieg des 39-Jährigen vor knapp zwei Wochen klar, denn die energische Politikerin gehörte schon lange zu seinen prominentesten Unterstützerinnen. Die Ernennung der überzeugten Europäerin als "Ministerin der Streitkräfte" war allerdings eine Überraschung. Die dunkelhaarige Juristin war von Beobachtern eher für das Außenministerium gehandelt worden. Das Amt des Chefdiplomaten ging dann allerdings an den bei den Soldaten geschätzten, bisherigen Verteidigungsminister Jean-Yves Le Drian von den Sozialisten.

Als fleißige Aktenfresserin dürfte sich Sylvie Goulard allerdings schnell in die Verteidigungs-Dossiers einarbeiten, bei denen sie es auf deutscher Seite mit Ursula von der Leyen (CDU) zu tun hat. Der Vorteil für die beiden Frauen: Sie kennen sich bereits und können auf ihre Übersetzer verzichten.