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Facebook scheint zum 15. Geburtstag weiter immun gegen Skandale

Netzwerk feiert 15. Geburtstag : Facebook scheint weiter immun gegen Skandale

Das größte Geschenk zum 15. Geburtstag bekam Facebook von den Nutzern: Sie kehrten dem Online-Netzwerk trotz immer neuer Enthüllungen und Negativ-Schlagzeilen nicht den Rücken.

So konnte Facebook wenige Tage vor dem Jahrestag am heutigen 4. Februar verkünden, dass die Zahl mindestens einmal im Monat aktiver Mitglieder im vergangenen Quartal um rund 50 Millionen auf 2,32 Milliarden angewachsen ist.

Das war nicht unbedingt zu erwarten, denn auch zuletzt hagelte es wieder abschreckende Facebook-Nachrichten. So musste die Plattform im Oktober eingestehen, dass Hacker sich Zugang zu ortsbezogenen Daten von rund 14 Millionen Nutzern verschafft haben könnten. Facebook löschte erneut von Russland aus gesteuerte Accounts, die die US-Kongresswahlen beeinflussen wollten. Von britischen Parlamentsabgeordneten veröffentlichte interne E-Mails zeichneten ein wenig schmeichelhaftes Bild der Facebook-Führung. Und das ist nur eine Auswahl.

Dennoch: Selbst in Europa, wo der Konzern in den beiden Quartalen davor jeweils eine Million Nutzer verloren hatte, gab es jetzt einen Sprung von 375 auf 381 Millionen Nutzer. Rund 282 Millionen kamen sogar täglich. Die vielen Menschen – und ihre Daten – sichern die Werbeerlöse. Das Netzwerk weiß eben so viel über seine Mitglieder, dass es Werbekunden zielgenau die richtigen Adressaten auftischen kann. Das ist ein blendendes Geschäft: Bei Facebook blieben 6,9 Milliarden Dollar als Gewinn in der Kasse hängen. 2,7 Milliarden Nutzer greifen jetzt auf mindestens einen Dienst aus dem Konzern zu. Selbst wer Facebook verlässt, bleibt der Firma treu: So gab Angela Merkel vor ein paar Tagen zwar ihren Facebook-Account auf – nicht aber den bei der Fotoplattform Instagram.

Zugleich muss Facebook sein Geschäft ständig anpassen, wie das Online-Netzwerk selbst einräumt. Die Nutzer kommen zwar zu Facebook – und zu Instagram und natürlich zu Whatsapp – aber ihr Verhalten ändert sich. Die „Stories“, bei denen man Fotos und Videos für einen Tag für Freunde verfügbar macht, erfreuen sich wachsender Beliebtheit. Bei Instagram greifen 500 Millionen Nutzer auf die Funktion zu – täglich. Nur: Facebook ist erst dabei, Anzeigeplatz in den „Stories“-Formaten einzurichten. Von den insgesamt sieben Millionen Werbekunden sind erst zwei Millionen in den „Stories“ aktiv.

Das zeigt, wie schnell sich Facebook bewegen muss – aber auch wie anpassungsfähig man sich in den vergangenen 15 Jahren erwiesen hat. Instagram und Whatsapp wurden gekauft, bevor sie Facebook gefährlich werden konnten. Die Gründer des Fotodienstes Snapchat schlugen ein Übernahmeangebot aus und landeten mit den „Stories“ als erste einen Hit. Facebook kopierte sie kurzerhand für alle seine Produkte und schickte Snapchat in die Krise.

Facebook selbst gibt sich nach den jüngsten Nackenschlägen demütiger als früher. Zum zehnten Jahrestag sprach Gründer und Chef Mark Zuckerberg noch von der „Verantwortung“, die restlichen zwei Drittel der Erdbevölkerung ins Internet zu bringen. Die hochtrabenden Pläne, das unter anderem mit Satelliten und Drohnen zu erreichen, verliefen sich jedoch. Und Facebook konnte auch nie dem Vorwurf entkommen, man wolle die Leute eigentlich ins Netz bringen, um mehr Nutzer zu bekommen. Die Ambitionen sind seitdem – notgedrungen – kleiner geworden. Vor fünf Jahren kündigte Zuckerberg noch an, in seinem zweiten Jahrzehnt werde Facebook mit noch mehr Ressourcen helfen, größere und wichtigere Probleme zu lösen. Inzwischen geht es ihm darum, „Facebook zu reparieren“, damit die Plattform nicht wieder zur Manipulation von Wahlen wie in den USA oder zur Anstiftung zum Völkermord wie in Myanmar genutzt wird.