Es konnte nur Eine geben

Der vorzeitige Weggang Marguerite Donlons vom Saarländischen Staatstheater ist ein herber Verlust nicht bloß für die Saarbrücker Bühne und damit die Kultur in der Region. Das Saarland verliert mit ihr eine äußerst gewinnende Kultur-Botschafterin nach innen wie nach außen.

Nein, man muss kein Donlon-Fan sein, um das so zu sehen. Witzig, poetisch, anregend waren die Produktionen der Saarbrücker Ballettchefin, manchmal auch etwas schlicht in der Botschaft wie das Umwelttanztheater "Blue". Aber sie fanden stets ihr Publikum. Doch nicht nur das: Die Irin hat ein eigenes Tanz-Festival geschaffen, seit 2001 um ihre Company ein einzigartiges System aus Freunden und Förderern gewoben. Und sie hat durch ihre Projekte mehr für die Vernetzung der Kulturszene im Lande bewirkt als alle Kulturpolitiker.

Und doch ist dieser harte Schnitt, der jetzt gemacht wurde, nötig - und auch richtig. Das Klima im Staatstheater war zuletzt so vergiftet, dass die künstlerische Arbeit im gesamten Haus litt. Zu sehr kontrastierte Donlons Wunsch nach mehr Freiheit für ihre Company mit den Erfordernissen eines Dreispartenhauses, wie es Intendantin Dagmar Schlingmann aus voller Überzeugung führt. Noch dazu standen sich auch zwei Führungspersönlichkeiten gegenüber, die schon lange nicht mehr miteinander konnten. Kulturminister Ulrich Commerçon (SPD) hat nun nach dem Motto gehandelt: Es kann nur Eine geben. Und für Schlingmann und damit das Dreispartenhaus traditioneller Prägung entschieden. Nun kann sich die dicke Luft am Theater endlich wieder klären. Donlons Weggang vom Theater ist auch beileibe keine Tragödie, so sehr viele ihrer Fans das bedauern werden. Künstlerische Wechsel am Theater sind völlig normal - und auch gut so. Weil Kunst auch von neuen, erfrischenden Sehweisen lebt. Und, man kann es nicht oft genug ins Gedächtnis rufen: Es gab auch vor Donlon schon beachtliches wie erfolgreiches Tanztheater in Saarbrücken - wofür etwa der Name Birgit Scherzer steht. Natürlich dürfte es schwer werden, einen adäquaten Nachfolger für Donlon zu finden. Die freilich kam auch nur als bekannte Tänzerin nach Saarbrücken. Ihren Namen als Choreographin hat sie sich erst hier gemacht. Das sollte eigentlich auch Mut und Lust machen auf jemand Neuen. Vor allem aber heißt es nun, wachsam zu sein für die Kultur. Unglücklicherweise fällt Donlons Weggang in eine Phase, in der das Land unter dem Druck der Schuldenbremse schärfste Sparanstrengungen unternimmt. Commerçon hat erfreulicherweise deutlich gemacht, dass die Landesregierung das Staatstheater als Dreispartenhaus nicht in Frage stellen wird, das Ballett bleibt. Man wird ihn zu gegebener Zeit beim Wort nehmen.