Ende einer Fußball-Diktatur?

Dieser Mittwoch war ein guter Tag für den Fußball - und kein guter für die Fifa-Diktatur von Joseph Blatter. Sieben seiner Funktionäre hat das FBI unter Korruptionsverdacht festgenommen. Dazu gesellen sich Ermittlungen der Schweizer Justiz gegen den Fußball-Weltverband wegen der WM-Vergaben 2018 und 2022.Das ist ein Großangriff von außen auf das System Joseph Blatter.

Dass neben dem FBI auch Schweizer Behörden ermitteln, ist dabei besonders bemerkenswert. Denn Sportverbände genießen im Schweizer Rechtssystem einen Sonderstatus, Bestimmungen gegen Privatkorruption sind auf sie nicht anwendbar. Mit anderen Worten: Die Fifa kann aus der Schweiz heraus fast korrumpieren, wie sie will. Dass sich Mitgliedsverbände - wie zum Beispiel der DFB - dazu nahezu ausschwiegen, ist wohl auch darauf zurückzuführen, dass sie in der Diktatur keine Macht haben - und vom System offenbar profitierten. Auch bei der Vergabe der WM nach Deutschland 2006 gab es Korruptionsvorwürfe.

Im WM-Vergabe-Fall der Schweizer Behörden hat sich die Fifa vergangenes Jahr selbst angezeigt. Wohl auch auf Geheiß von Blatter. Nur deswegen sei die Behörde dem Korruptionsvorwurf nachgegangen, behauptete gestern die Fifa und versuchte, das Bild vom Aufklärer Blatter zu zeichnen. Ein schiefes Bild. Denn das FBI ermittelt ungebeten - und hat dabei vor allem Blatters beste Kumpels im Visier. Vor Jahren bereits ging die US-Behörde gegen den langjährigen Fifa-Vorstand Chuck Blazer (Bestechung, Korruption, das Übliche eben) vor. Und nun gegen Jeffrey Webb, ebenso ein Busenfreund Blatters. Das FBI wirft Webb vor, Übertragungs- und Vermarktungsrechte in den USA und Südamerika verschachert zu haben. Dafür habe der Fifa-Funktionär und Banker von den Cayman-Inseln gemeinsam mit anderen Fifa-Spezies über 100 Millionen US-Dollar Bestechungsgelder kassiert.

Blatter selbst ist zwar juristisch kein Beschuldigter. Trotzdem hat er von dem System der Korruption profitiert. Denn nicht zuletzt haben ihm seine sauberen, von ihm geförderten Freunde stets die Wiederwahl in sein mit vielen Privilegien ausgestattetes Amt gesichert. Nun sind die Freunde vorerst im Knast. Daher dürfte auch Blatter ein paar Tage vor seiner Wiederwahl etwas nervöser sein als sonst. Ob alle Pfeiler seines Systems schon gekappt sind und es zusammenbricht, ist fraglich. Aber seit gestern wankt es.

Auch wenn keine Ermittlungen gegen den Schweizer laufen: Er ist derjenige, der bei der Fifa die Verantwortung trägt. Die Ereignisse des gestrigen Tages wären ein guter, ja zwingender Grund zurückzutreten - und ein noch besserer, ihn nicht mehr zu wählen. Eine Abwahl wäre das verdiente Ende seiner Diktatur .