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Ein Schatten von Misstrauen ist geblieben

Ein Schatten von Misstrauen ist geblieben

Wie wäre es heute um Deutschland bestellt, hätte es den 2+4-Vertrag nicht gegeben? Und wie sähe Europa aus? Anders als mancher Euro-Skeptiker vielleicht argumentieren wird, wäre ein Großteil der Länder, die heute der EU angehören, in der globalisierten Welt vermutlich weitaus ärmer - einschließlich der Bundesrepublik. Womöglich wären viele europäische Staaten aber längst auch gänzlich insolvent. Der Vertrag, der am 12. September 1990 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR einerseits und Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion sowie den USA andererseits anstelle eines Friedensvertrags geschlossen wurde, klopfte nicht nur die außenpolitischen Bedingungen für ein wiedervereinigtes Deutschland fest. Er bildete auch den Grundstein für ein vereinigtes Europa, das - allen (finanziellen) Querelen und Krisen zum Trotz - einen globalen Stabilitätsfaktor darstellt. Und zwar wirtschaftlich wie politisch. Das eingebettete wiedervereinigte Deutschland gilt vielen Staaten der Welt heute gar als Hauptgarant für die politische Verlässlichkeit der Europäischen Union. Dennoch wird die neugewonnene - vor allem wirtschaftliche - Stärke Deutschlands von einigen europäischen Nachbarn auch mit Skepsis gesehen: Frankreich, Großbritannien und Polen etwa fürchten bisweilen ein neues Aufkeimen deutscher Hegemonie, auch wenn solcherlei Sorge sicherlich unbegründet ist. Einen Alleingang der Bundesrepublik jedenfalls, wie es unter anderem die bitterbösen, zum Teil degoutanten Protest-Plakate gegen Merkel und Schäuble im Rahmen des griechischen Spardiktats glauben machen wollten, hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben. Schließlich pochten auch Finnland, die baltischen Staaten und Osteuropa auf eine konsequent harte Haltung gegenüber Athen. Dennoch war es gerade die Griechenlandkrise, die verborgene oder verdrängte Ängste und Vorbehalte gegenüber Deutschland wieder an die Oberfläche spülte und sichtbar machte. Als Athen so selbstbewusst - und nicht ganz zu Unrecht - die Wiedergutmachungskarte gegen Berlin ausspielte, verwies Deutschland auf das 2+4-Abkommen, in dem unter anderem der Verzicht auf weitere Reparationforderungen festgeschrieben ist. Juristisch war Berlin damit freilich auf der sicheren Seite - aber auch moralisch? Die Frage steht weiter im Raum, wenngleich Deutschland durch die Aufnahme tausender Flüchtlinge jüngst wieder kräftig Sympathie-Punkte sammeln konnte. All das aber zeigt: 25 Jahre nach der historischen Unterschrift ist die Vergangenheit noch nicht vergangen. Ob wir es wollen oder nicht: Ein Schatten von Misstrauen, von Unsicherheit ist geblieben. Zu stark fühlen kann Deutschland sich daher nicht. Und das ist gut für die Moral.

Wie wäre es heute um Deutschland bestellt, hätte es den 2+4-Vertrag nicht gegeben? Und wie sähe Europa aus? Anders als mancher Euro-Skeptiker vielleicht argumentieren wird, wäre ein Großteil der Länder, die heute der EU angehören, in der globalisierten Welt vermutlich weitaus ärmer - einschließlich der Bundesrepublik. Womöglich wären viele europäische Staaten aber längst auch gänzlich insolvent.

Der Vertrag, der am 12. September 1990 zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der DDR einerseits und Großbritannien, Frankreich, der Sowjetunion sowie den USA andererseits anstelle eines Friedensvertrags geschlossen wurde, klopfte nicht nur die außenpolitischen Bedingungen für ein wiedervereinigtes Deutschland fest. Er bildete auch den Grundstein für ein vereinigtes Europa, das - allen (finanziellen) Querelen und Krisen zum Trotz - einen globalen Stabilitätsfaktor darstellt. Und zwar wirtschaftlich wie politisch.

Das eingebettete wiedervereinigte Deutschland gilt vielen Staaten der Welt heute gar als Hauptgarant für die politische Verlässlichkeit der Europäischen Union. Dennoch wird die neugewonnene - vor allem wirtschaftliche - Stärke Deutschlands von einigen europäischen Nachbarn auch mit Skepsis gesehen: Frankreich, Großbritannien und Polen etwa fürchten bisweilen ein neues Aufkeimen deutscher Hegemonie, auch wenn solcherlei Sorge sicherlich unbegründet ist. Einen Alleingang der Bundesrepublik jedenfalls, wie es unter anderem die bitterbösen, zum Teil degoutanten Protest-Plakate gegen Merkel und Schäuble im Rahmen des griechischen Spardiktats glauben machen wollten, hat es seit der Wiedervereinigung nicht gegeben. Schließlich pochten auch Finnland, die baltischen Staaten und Osteuropa auf eine konsequent harte Haltung gegenüber Athen.

Dennoch war es gerade die Griechenlandkrise, die verborgene oder verdrängte Ängste und Vorbehalte gegenüber Deutschland wieder an die Oberfläche spülte und sichtbar machte. Als Athen so selbstbewusst - und nicht ganz zu Unrecht - die Wiedergutmachungskarte gegen Berlin ausspielte, verwies Deutschland auf das 2+4-Abkommen, in dem unter anderem der Verzicht auf weitere Reparationforderungen festgeschrieben ist. Juristisch war Berlin damit freilich auf der sicheren Seite - aber auch moralisch? Die Frage steht weiter im Raum, wenngleich Deutschland durch die Aufnahme tausender Flüchtlinge jüngst wieder kräftig Sympathie-Punkte sammeln konnte.

All das aber zeigt: 25 Jahre nach der historischen Unterschrift ist die Vergangenheit noch nicht vergangen. Ob wir es wollen oder nicht: Ein Schatten von Misstrauen, von Unsicherheit ist geblieben. Zu stark fühlen kann Deutschland sich daher nicht. Und das ist gut für die Moral.

Zum Thema:

StichwortDer 2+4-Vertrag war die Grundlage der deutschen Einheit. Unter anderem wurde geregelt, dass die Bundesrepublik keine Gebietsansprüche mehr erhebt, auf atomare, biologische und chemische Waffen verzichtet und die Bundeswehr auf maximal 370 000 Soldaten reduziert. Im Gegenzug bekam Deutschland die volle Souveränität zurück. red