Ein Risiko bleibt

Noch lange wird die Suche nach Verantwortlichen der Katastrophe von Duisburg dauern. Doch unabhängig von diesem Ermittlungs-Ergebnis stand und steht fest: Großereignisse wie die Loveparade bergen unkalkulierbare Risiken für die Teilnehmer, weil es uneingeschränkte Sicherheit nicht gibt. Selbst dann nicht, wenn sich die besten Profis an der Planung beteiligen. Wenn es 100 Mal gut geht, beim 101

Noch lange wird die Suche nach Verantwortlichen der Katastrophe von Duisburg dauern. Doch unabhängig von diesem Ermittlungs-Ergebnis stand und steht fest: Großereignisse wie die Loveparade bergen unkalkulierbare Risiken für die Teilnehmer, weil es uneingeschränkte Sicherheit nicht gibt. Selbst dann nicht, wenn sich die besten Profis an der Planung beteiligen. Wenn es 100 Mal gut geht, beim 101. Mal kann es schiefgehen. In Sportstadien, bei Konzerten, bei Demonstrationen, im Verkehr. Darüber muss sich jeder, der als winziger Teil in einer gewaltigen Menschenmenge aufgeht, im Klaren sein.Aus der Katastrophe von Duisburg lässt sich trotzdem lernen. So sollten die Innenministerien der Länder, und damit vor allem die Polizei, das letzte Wort haben, ob ein solches Großereignis stattfinden darf oder nicht. Ohne Wirrwarr bei den Zuständigkeiten. Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft wird diesen Weg voraussichtlich einschlagen. Man wünscht sich, andere Länderchefs würden folgen. Die Ordnungshüter lässt die undankbare Rolle der Spaßbremse nämlich kalt - anders als Politiker, die gerne vorne mittanzen. Und Eitelkeiten sind der Polizei bei der Lagebeurteilung ebenso fremd. Ausschließlich Tatsachen entscheiden. Aber so war es in Duisburg eben nicht. Und so verwandelte sich die Parade der Liebe zu einem Totentanz, wie Nikolaus Schneider, EKD-Ratsvorsitzender und Präses der evangelischen Kirche im Rheinland, bei der Trauerfeier zusammenfasste. Mit bebender Stimme sprach Hannelore Kraft, deren Sohn bei dem Festival mit dabei war. Ihr nahm man Trauer und aufrichtige Anteilnahme ab. Gut, dass die übrige angereiste Polit-Prominenz schwieg - so blieben den Anwesenden die unerträglichen Betroffenheits-Sprüche erspart. Kraft hingegen war offensichtlich stets nah dran an den Menschen, die trauern, anklagen, nach Antworten verlangen. Ihre Rede war wohltuend für die Angehörigen und Freunde der Opfer. Den wohl schlechtesten Eindruck hinterließ hingegen Oberbürgermeister Adolf Sauerland. Sein Rücktritt als politisch Verantwortlicher ist seit einer Woche überfällig. Wie lange wohl werden sich Menschen jetzt überlegen, ob sie Massenversammlungen besuchen? Der Schrecken hat nur eine kurze bannende Gewalt, das wissen wir. Es wird Nachfolge-Veranstaltungen mit Hunderttausenden geben. Es ist wohl ein natürliches Bedürfnis, Teil einer Gemeinschaft zu sein und mit Gleichgesinnten Spaß zu haben. Risiko inklusive. Aber einen Anspruch auf die weitest reichende Sicherheit haben die Menschen selbstverständlich auch.