E-Mails statt Durst löschen

Meinung:

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E-Mails statt Durst löschen

Von Pia Rolfs

Die Zeiten werden härter. Früher löschte der Arbeitnehmer nach Feierabend manchmal seinen Durst, heute seine E-Mails. Denn um in der E-Mail-Flut nicht unterzugehen, müssen ständig Nachrichten gelöscht werden. Das ist ein gewaltiger Rückschritt gegenüber Sisyphos. Musste doch der Mann zwar ständig einen Stein nach oben rollen, der wieder herunterkullerte. In der Zeit, wo das ein Mal geschah, werden aber heute etwa 100 Mails gelöscht - und 200 neue gehen wieder ein. Zudem behaupten manche tatsächlich, die Nachrichten müssten vor dem Löschen sogar beantwortet werden. Eine bizarre Vorstellung, die mit dem Arbeitsleben wirklich nicht vereinbar ist. Richtig ist vielmehr, dass aus Rache für das Zumüllen des eigenen Postfachs im Gegenzug auch andere Postfächer zugeschüttet werden - nach dem Motto: "Macht kaputt, was Euch kaputtmacht." Wozu das Dauer-Mailen sonst noch gut sein soll, stand wohl in irgendeiner gelöschten Mail.